Dagmara Kraus erhält Basler Lyrikpreis 2018

Die Lyrikerin und Übersetzerin Dagmara Kraus erhält den Basler Lyrikpreis 2018. Die mit 10’000 Franken dotierte Auszeichnung wird jährlich an Dichterinnen und Dichter verliehen, „deren Werk sich durch Innovationskraft und durch den Mut zu konsequentem und eigenwilligem Arbeiten mit Sprache auszeichnet“, schrieb das Literaturhaus Basel am 24. November 2017 in einem Communiqué.

Die Jury, die sich aus Mitgliedern der Basler Lyrikgruppe zusammensetzt, würdige mit ihrer Entscheidung insbesondere die unerschrockene Art, mit der Kraus neue Ausdrucksmöglichkeiten für die deutsche Sprache erkunde.

Die gebürtige Polin lebt heute in Berlin und übersetzt, neben ihrer Arbeit als Dichterin, aus dem Polnischen, Englischen und Französischen. Sie hat bisher vier Lyrikbände veröffentlicht, darunter „kummerang“ und „wehbuch„.

Die Preisverleihung findet im Rahmen des 15. Internationalen Lyrikfestivals Basel am Samstag, 27. Januar, statt.

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Dagmara Kraus erhält den Förderpreis Komische Literatur 2018 zum Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor

Die Lyrikerin Dagmara Kraus, 1981 in Wrocław, Polen, geboren, erhält im Jahr 2018 den Förderpreis Komische Literatur.

Dies gab Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle jetzt bekannt. Die mit 3000 Euro dotierte Auszeichnung wird auf Vorschlag von Verlagen durch die Stadt Kassel und die Stiftung Brückner-Kühner an Autoren verliehen, die sich noch in einer frühen Phase ihres Schaffens befinden und auf hohem künstlerischen Niveau das Komische gestalten. 26 Autorinnen und Autoren waren diesmal im Rennen. Der Förderpreis wird gemeinsam mit dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor vergeben, der, wie bereits gemeldet, für das Jahr 2018 Eckhard Henscheid zugesprochen wurde. Die öffentliche Preisverleihung findet am 3. März 2018, 17 Uhr, im Kasseler Rathaus statt und beschließt das 8. Kasseler Komik-Kolloquium, das achttägige Festival zur Literatur und Wissenschaft des Komischen. Urs Engeler, Leiter des gleichnamigen Verlages, dessen Vorschlag der Stiftungsrat gefolgt ist, wird die Laudatio auf Dagmara Kraus halten. Die Kasseler Sparkasse unterstützt auch diesmal großzügig den Förderpreis.

Begründung

In seiner Eigenschaft als Jury begründet der Stiftungsrat seine Entscheidung für Dagmara Kraus wie folgt:

„Feinfühlig und lustvoll reflektiert Dagmara Kraus in ihrer Lyrik, ihrer Prosa und ihren Nachdichtungen die Sprache. Humor entfaltet sich auf überraschende Weise in den verschiedenen Schichten ihrer Texte und ist so für ihre literarischen Konzepte prägend. Sie mischt unterschiedliche Sprachen, verschiebt und zerlegt Wörter, spielt verdichtend mit Vokalen und Konsonanten und macht besonders das Klangliche zum Träger des Komischen. Mit ihrer ebenso kunstfertigen wie unterhaltsamen Dichtung zeigt Dagmara Kraus eindrucksvoll, wie sehr auch experimentelle Poesie vom Humor profitieren kann.“

Dagmara Kraus

geboren 1981 in Wrocław, Polen, studierte Komparatistik, Kunstgeschichte und Literarisches Schreiben in Leipzig, Berlin und Paris und lebt als Lyrikerin und Lyrikübersetzerin derzeit in Berlin. Im Lyrikverlag kookbooks erschien 2012 ihr Debüt „kummerang“. Im selben Jahr kam unter dem Titel „Wir Seesterne“ der erste von mittlerweile drei Bänden ihrer Übersetzungen von Gedichten Miron Białoszewskis heraus. 2016 folgte bei kookbooks „das vogelmot schlich mit geknickter schnute“, ein Bändchen mit ‚pseudofatrastischen‘ Lautschrift-Collagen. In der roughbooks-Reihe von Urs Engeler, der neben Dagmara Kraus bereits die Autoren Michael Stauffer und Arno Camenisch erfolgreich für den Förderpreis Komische Literatur vorgeschlagen hat, veröffentlichte sie 2016 das „wehbuch“. Hier wird nach Kräften und mit größtem Vergnügen gejammert und geklagt. Bereits 2013 erschien bei Urs Engeler mit „kleine grammaturgie“ der Versuch, in Plansprachen zu dichten. Für das Hörstück „Entstehung dunkel“ erhielt sie gemeinsam mit Marc Matter 2015 den Förderpreis zum Karl-Sczuka-Preis für avancierte Radiokunst, 2016 wurde sie mit dem Heimrad-Bäcker-Förderpreis und 2017 mit dem Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung ausgezeichnet. Im Herbst 2017 erschien „alle nase diederdase“, ihr erstes Kinderbuch.

Der Förderpreis Komische Literatur

zum „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ wurde bislang folgenden Personen verliehen: Frank Schulz (1999), Jochen Schmidt (2004), Tilman Rammstedt (2005), Jess Jochimsen (2006/2007), Philipp Tingler (2008), Michael Stauffer (2009), Rebekka Kricheldorf (2010), Jan Neumann (2011), Tino Hanekamp (2012), Wolfram Lotz (2013), Arno Camenisch (2015), Kirsten Fuchs (2016) und zuletzt Ferdinand Schmalz

Die Jury bzw. der Stiftungsrat

besteht aus dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Dr. h.c. Walter Pape (Vorsitz), der Lektorin Friederike Emmerling, der Lektorin Dr. Renate Jakobson, dem Schriftsteller Ingomar von Kieseritzky, dem Literaturwissenschaftler und Dichter Christian Maintz, dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Uwe Wirth und Dr. Thomas Wohlfahrt, dem Direktor des Hauses für Poesie in Berlin.

Die Stiftung Brückner-Kühner

vergibt seit 1985 den „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ sowie seit 2004 regelmäßig auch den „Förderpreis Komische Literatur“. Die Stiftung wurde von dem Schriftstellerpaar Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner (beide 1921–1996) ins Leben gerufen und ist heute ein Literaturzentrum für die Kultur des Komischen, für zeitgenössische internationale Poesie sowie für die Erinnerung an Werk und Leben des Stifterpaares in dessen Wohnhaus. Geschäftsführender Kurator der Institution ist der Literaturwissenschaftler Dr. Friedrich Block.

Näheres zum Engagement der Literaturstiftung unter http://www.brueckner-kuehner.de.

roughbook 043: Attila József, Liste freier Ideen

Attila Liste freier Ideen

 

„Krepier – Karierte Decke – ich denke – coito ergo sum – ich schwanz-denke, also bist du“. Die am 22. Mai 1936 im Budapester Café Japan entstandene „Liste freier Ideen” ist das Resultat eines radikalen Selbstversuchs, an dem mehrere Persönlichkeiten des ungarischen Dichters Attila József maßgeblich beteiligt waren. Sie beginnt mit einer Schimpfrede auf eine Tischdecke im Kaffeehaus, entledigt sich sogleich des gesicherten cartesianischen Bewusstseins und gibt sich dem regressi- ven Denken und Reden des Unbewussten hin. So lallt und grunzt die Liste fröhliche Glossolalien, hält dann aber mit einem Mal inne, stellt Überlegungen zur Psychologie der Arbeit und zum Wesen des Geldverkehrs an und reflektiert ihre eigene Prozesshaftigkeit. In unendlichem Regress verzehrt die Liste immer wieder ihre Autorschaft, sich selbst und den Leser, empfängt hier und da auch einen Kaffeehausbesucher, was zu einer kurzen Unterbrechung ihrer Niederschrift führt. Dann nimmt sie ihre obsessive Arbeit wieder auf, flucht über die große Anstrengung, regrediert immer weiter und will zurück in den polymorph amourösen Zustand im Mutterleib. [Aus dem Nachwort der Herausgeber]

Attila József, Liste freier Ideen, herausgegeben und übersetzt von Christian Filips und Orsolya Kalàsz

110 Seiten, Euro 10,-/ sFr. 12.-

Bestellen: http://roughbooks.ch/attila_jozsef/liste_freier_ideen.html

„Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung“ geht an Dagmara Kraus

Anlässlich des 37. Erlanger Poetenfests (24. bis 27. August 2017) vergibt die Kulturstiftung Erlangen zum siebten Mal den „Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung“. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird in diesem Jahr an die Lyrikerin und Übersetzerin Dagmara Kraus verliehen. Dagmara Kraus nimmt die Auszeichnung am Donnerstag, 24. August 2017, 18:00 Uhr in der Erlanger Orangerie entgegen, die Laudatio auf Dagmara Kraus hält die Lyrikerin und Übersetzerin Uljana Wolf.

„Dagmara Kraus ist eine der erstaunlichsten lyrischen Stimmen der neuen Literatur. Die in Wrocław (Polen) geborene Autorin übersetzte u. a. die polnischen Dichter Miron Białoszewski, Joanna Mueller und Edward Stachura. Ihre mehrsprachige Lyrik – „kummerang“ (2012), „kleine grammaturgie“ (2013), „das vogelmot schlich mit geknickter schnute“ (2015) und „wehbuch (undichte prosage)“ (2016) – oszilliert virtuos zwischen den Formen und Sprachen, ihre poetische Erkundung der Plansprachen („wechselreden auf langue bleue“) eröffnet neue Möglichkeiten der lyrischen Rede. Dagmara Kraus erhält den Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung für ihr lyrisches und übersetzerisches Werk.“ (Aus der Begründung der Jury)

Dagmara Kraus, geboren 1981 in Wrocław (Polen), studierte Komparatistik, Kunstgeschichte und Literarisches Schreiben in Leipzig, Berlin und Paris. Sie lebt in Carpentras (Frankreich) und Berlin. Dagmara Kraus schreibt Lyrik und übersetzt aus dem Polnischen, Englischen und Französischen, u. a. Werke von Miron Białoszewski, Joanna Mueller, Edward Stachura und Frédéric Forte. Für das Hörstück „Entstehung dunkel“ erhielt sie zusammen mit Marc Matter 2015 den Förderpreis zum Karl-Sczuka-Preis für avancierte Radiokunst und 2016 den Heimrad-Bäcker-Förderpreis. Im Herbst erscheint bei kookbooks ihr erstes Kinderbuch, „alle nase derdiedase“, illustriert von Andreas Töpfer.

Deutschland besitzt über tausend Literaturpreise, aber noch immer auffallend wenige Übersetzerpreise. Dieses Missverhältnis hat vor allem etwas mit dem nach wie vor mangelnden Bewusstsein dafür zu tun, dass der internationale Erfolg eines Buches wesentlich von der Qualität seiner Übersetzungen abhängt. Das Erlanger Poetenfest hat sich die Förderung von Poesie als Übersetzung zur Aufgabe gemacht. In diesem Jahr findet im Rahmen des 37. Erlanger Poetenfests die vierzehnte Erlanger Übersetzerwerkstatt statt. Mit Übersetzerwerkstatt und Übersetzerpreis wollen die Kulturstiftung Erlangen und das Erlanger Poetenfest gemeinsam die Wahrnehmung dafür schärfen, wie sehr gerade Übersetzungen und Einflüsse aus fremden Sprachen und Kulturen die deutschsprachige Gegenwartsliteratur bereichern.

Die Jury des Erlanger Literaturpreises für Poesie als Übersetzung besteht selbst aus Übersetzerinnen und Übersetzern. Dieses bislang einzigartige Konzept verbürgt die sprachschöpferische Qualität der ausgezeichneten Arbeiten. Der Jury gehörten in diesem Jahr an: Annette Kopetzki (Hamburg), Adrian La Salvia (Oranienbaum-Wörlitz – Jury-Sprecher), Benedikt Ledebur (Wien), Ilma Rakusa (Zürich), Yoko Tawada (Berlin), Peter Waterhouse (Wien) und Uljana Wolf (Berlin, New York). Der Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung wurde bisher an Felix Philipp Ingold (2005), Georges-Arthur Goldschmidt (2007), Barbara Köhler und Ulf Stolterfoht (2009), Elke Erb (2011), Yoko Tawada (2013) sowie an Uljana Wolf (2015) verliehen.

Über Gedichte sprechen

Zum fünften Mal treffen sich Gregor Dotzauer (Der Tagesspiegel), Insa Wilke (freie Kritikerin) und Jan Bürger (Deutsches Literaturarchiv) am 12. Juli, 19.30 Uhr, im Berthold-Leibinger-Auditorium des Literaturmuseums der Moderne, um von Gedichten zu schwärmen und über sie zu streiten.

Die neue Folge der Veranstaltungsreihe in Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur, so eine Mitteilung aus dem Deutschen Literaturarchiv, widmet sich der amerikanischen Lyrikerin Ellen Hinsey, der deutschen Avantgardistin Mara Genschel sowie Rilkes Stunden-Buch. Mit „Des Menschen Element“ (Update on the Descent, 2009) wird das neueste Werk der amerikanischen Lyrikerin Ellen Hinsey (geboren 1960 in Boston) besprochen.

In ihren Gedichten widmet sich Hinsey vornehmlich ethischen und gesellschaftspolitischen Themen. Mit dem jüngst bei roughbooks erschienenen Buch „Gute Gedanken“ von Mara Genschel (geboren 1982 in Bonn) über einen längeren Aufenthalt in den USA wird die jüngere Lyrik-Szene in den Blick genommen. Genschel ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig, ihr erster Gedichtband erschien 2008. Sie entwarf für die Installation von Katharina Mertens „The Secret Life of Arabia“ (2015) das Textkonzept, basierend auf dem gleichnamigen Song von David Bowie.

Gregor Dotzauer über den Netzverlag von Robert Kelly und Charlotte Mandell

Vielleicht war es „Die Sprache von Eden“, roughbook 041, das Gregor Dotzauer vom Tagesspiegel auf den Netzverlag metembesen.org von Robert Kelly und Charlotte Mandell aufmerksam gemacht hat. „Der Mann mit dem imposanten weißen Schnauzer und den noch imposanteren Augenbrauen ist ein Genie der Freundschaft, weshalb das Familienprojekt im Nu einen erstaunlich weiten Wahlverwandtschaftenradius angenommen hat.“

In seinem schönen kleinen Artikel beschreibt Dotzauer Robert Kelly als Künstler einer „frühromantisch durchdrungenen Welterfahrung, die nach dem Heiligen im Gewöhnlichen, einer „sacredness of ordinary things“, sucht, wie es im Vorspruch zu Kellys „I Tarocchi Nuovi“ heißt.“ Kelly, schreibt Dotzauer weiter, „verknüpft das Offensichtliche auf der Stelle mit dem Unscheinbaren, der vom Austrocknen bedrohten Regenpfütze, die „in ihren Tiefen den ganzen Himmel darüber enthält, den edlen Anker der Bäume, der sich zu uns nach oben ausstreckt“. Dabei will er von Tiefe gar nichts wissen. „Das Bild“, schreibt er, „ist ganz Oberfläche – auf der Oberfläche. Wenn wir wie Narziss durch die Oberfläche zum Bild selbst vordringen wollen, finden wir nichts als Drecksuppe, Schotter, Schlamm.“ Das kann man ruhig als poetologische Auskunft eines Mannes lesen, der zusammen mit Jerome Rothenberg und Clayton Eshleman einst die symbolistisch geprägte Schule des „Deep Image“ begründete und heute längst über allen ihren Wassern schwebt.“

Hier der ganze Artikel:

http://www.tagesspiegel.de/kultur/netzverlag-an-den-ufern-des-metambesen/19859848.html#