Jan Kuhlbrodt bespricht „Dieses Buch trägt diesen Titel“

Das vorliegende roughbook 044 begleitet das Gedicht in seinem notwendigen Scheitern. Und hier rettet sich Dialektik: Ein Scheitern, das eine Befreiung ist. Eine Befreiung nicht für, aber zum Text. Zumindest diese Lyrik lässt die Gedanken des Lesers (in diesem Fall meine) weit über ihre ungesteckten Ziele hinausgehen, und das unterhält ungemein.“

Die ganze Besprechung bei „Signaturen“, hier.

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Mario Osterland bespricht József Attilas „Liste freier Ideen“

„Gedankenprotokoll oder Langgedicht, Autobiografie oder Fiktion? József Attilas Liste freier Ideen ist nichts für Gattungsfetischisten; für zartbesaitete Leser erst recht nicht. Der ungarische Dichter, der zu den bedeutendsten seines Landes gehört, ist im deutschsprachigen Raum, wenn überhaupt, vor allem für seine Lyrik bekannt. Nur wenige dürften darüber hinaus das Schicksal des aus der Kommunistischen Partei Ungarns ausgeschlossenen Freudomarxisten und suizidalen Schizophrenen kennen. Nun, woher auch? könnte man fragen. Die biografischen Informationen im Internet sind spärlich, eine Biografie auf Deutsch gibt es nicht. Und das, obwohl Jószef für zahlreiche Kritiker und Literaturhistoriker in eine Reihe mit Größen wie Kavafis, T.S. Eliot oder Pessoa gehört.

    Umso schöner ist es da, dass bei roughbooks nun ein Text Józsefs erscheint, der es bisher in keine Werkausgabe geschafft hat, bis 1990 sogar mehr oder minder geheim gehalten wurde. Die Liste freier Ideen ist im Wortsinne ein aufschlussreiches Dokument, da es als Schlüsseltext zum Verständnis Józsefs dient.“

Die ganze Besprechung bei „Signaturen“, hier.

roughbook 044: Dieses Buch trägt diesen Titel

Dieses Gedicht

Dieser Gedichtband wäre gern erschienen. Aber er hat sich hinter einem anderen versteckt, der nicht gerne gesehen wird. Von Jahr zu Jahr wird dieser Gedichtband teurer und selbstbewußter werden. Aber noch ist er sehr scheu, so scheu, dass er seine Verfasserin lieber verschweigt. Wenn Sie diese Gedichte lesen, werden Sie danach vergeblich versuchen, dieselbe zu sein: Denn dieses Buch trägt diesen Titel.

80 Seiten, Euro 10,-/ sFr. 12.- > hier bestellen. 

Und wer ab diesem Buch mit diesem Titel Abonnentin oder Abonnent der roughbooks wird und es bis mindestens zum Jubiläumsroughbook 050 bleibt (dann kommen Rechnungen von insgesamt etwa 60 Euro bzw. 75 Franken auf Dich zu und völlig unvorhersehbare Bücher), bekommt diese Gedichte geschenkt. Deal? Dann bestell bitte hier oder schreib mir eine E-Mail an urs@engeler.de.

Dagmara Kraus erhält Basler Lyrikpreis 2018

Die Lyrikerin und Übersetzerin Dagmara Kraus erhält den Basler Lyrikpreis 2018. Die mit 10’000 Franken dotierte Auszeichnung wird jährlich an Dichterinnen und Dichter verliehen, „deren Werk sich durch Innovationskraft und durch den Mut zu konsequentem und eigenwilligem Arbeiten mit Sprache auszeichnet“, schrieb das Literaturhaus Basel am 24. November 2017 in einem Communiqué.

Die Jury, die sich aus Mitgliedern der Basler Lyrikgruppe zusammensetzt, würdige mit ihrer Entscheidung insbesondere die unerschrockene Art, mit der Kraus neue Ausdrucksmöglichkeiten für die deutsche Sprache erkunde.

Die gebürtige Polin lebt heute in Berlin und übersetzt, neben ihrer Arbeit als Dichterin, aus dem Polnischen, Englischen und Französischen. Sie hat bisher vier Lyrikbände veröffentlicht, darunter „kummerang“ und „wehbuch„.

Die Preisverleihung findet im Rahmen des 15. Internationalen Lyrikfestivals Basel am Samstag, 27. Januar, statt.

Dagmara Kraus erhält den Förderpreis Komische Literatur 2018 zum Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor

Die Lyrikerin Dagmara Kraus, 1981 in Wrocław, Polen, geboren, erhält im Jahr 2018 den Förderpreis Komische Literatur.

Dies gab Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle jetzt bekannt. Die mit 3000 Euro dotierte Auszeichnung wird auf Vorschlag von Verlagen durch die Stadt Kassel und die Stiftung Brückner-Kühner an Autoren verliehen, die sich noch in einer frühen Phase ihres Schaffens befinden und auf hohem künstlerischen Niveau das Komische gestalten. 26 Autorinnen und Autoren waren diesmal im Rennen. Der Förderpreis wird gemeinsam mit dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor vergeben, der, wie bereits gemeldet, für das Jahr 2018 Eckhard Henscheid zugesprochen wurde. Die öffentliche Preisverleihung findet am 3. März 2018, 17 Uhr, im Kasseler Rathaus statt und beschließt das 8. Kasseler Komik-Kolloquium, das achttägige Festival zur Literatur und Wissenschaft des Komischen. Urs Engeler, Leiter des gleichnamigen Verlages, dessen Vorschlag der Stiftungsrat gefolgt ist, wird die Laudatio auf Dagmara Kraus halten. Die Kasseler Sparkasse unterstützt auch diesmal großzügig den Förderpreis.

Begründung

In seiner Eigenschaft als Jury begründet der Stiftungsrat seine Entscheidung für Dagmara Kraus wie folgt:

„Feinfühlig und lustvoll reflektiert Dagmara Kraus in ihrer Lyrik, ihrer Prosa und ihren Nachdichtungen die Sprache. Humor entfaltet sich auf überraschende Weise in den verschiedenen Schichten ihrer Texte und ist so für ihre literarischen Konzepte prägend. Sie mischt unterschiedliche Sprachen, verschiebt und zerlegt Wörter, spielt verdichtend mit Vokalen und Konsonanten und macht besonders das Klangliche zum Träger des Komischen. Mit ihrer ebenso kunstfertigen wie unterhaltsamen Dichtung zeigt Dagmara Kraus eindrucksvoll, wie sehr auch experimentelle Poesie vom Humor profitieren kann.“

Dagmara Kraus

geboren 1981 in Wrocław, Polen, studierte Komparatistik, Kunstgeschichte und Literarisches Schreiben in Leipzig, Berlin und Paris und lebt als Lyrikerin und Lyrikübersetzerin derzeit in Berlin. Im Lyrikverlag kookbooks erschien 2012 ihr Debüt „kummerang“. Im selben Jahr kam unter dem Titel „Wir Seesterne“ der erste von mittlerweile drei Bänden ihrer Übersetzungen von Gedichten Miron Białoszewskis heraus. 2016 folgte bei kookbooks „das vogelmot schlich mit geknickter schnute“, ein Bändchen mit ‚pseudofatrastischen‘ Lautschrift-Collagen. In der roughbooks-Reihe von Urs Engeler, der neben Dagmara Kraus bereits die Autoren Michael Stauffer und Arno Camenisch erfolgreich für den Förderpreis Komische Literatur vorgeschlagen hat, veröffentlichte sie 2016 das „wehbuch“. Hier wird nach Kräften und mit größtem Vergnügen gejammert und geklagt. Bereits 2013 erschien bei Urs Engeler mit „kleine grammaturgie“ der Versuch, in Plansprachen zu dichten. Für das Hörstück „Entstehung dunkel“ erhielt sie gemeinsam mit Marc Matter 2015 den Förderpreis zum Karl-Sczuka-Preis für avancierte Radiokunst, 2016 wurde sie mit dem Heimrad-Bäcker-Förderpreis und 2017 mit dem Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung ausgezeichnet. Im Herbst 2017 erschien „alle nase diederdase“, ihr erstes Kinderbuch.

Der Förderpreis Komische Literatur

zum „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ wurde bislang folgenden Personen verliehen: Frank Schulz (1999), Jochen Schmidt (2004), Tilman Rammstedt (2005), Jess Jochimsen (2006/2007), Philipp Tingler (2008), Michael Stauffer (2009), Rebekka Kricheldorf (2010), Jan Neumann (2011), Tino Hanekamp (2012), Wolfram Lotz (2013), Arno Camenisch (2015), Kirsten Fuchs (2016) und zuletzt Ferdinand Schmalz

Die Jury bzw. der Stiftungsrat

besteht aus dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Dr. h.c. Walter Pape (Vorsitz), der Lektorin Friederike Emmerling, der Lektorin Dr. Renate Jakobson, dem Schriftsteller Ingomar von Kieseritzky, dem Literaturwissenschaftler und Dichter Christian Maintz, dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Uwe Wirth und Dr. Thomas Wohlfahrt, dem Direktor des Hauses für Poesie in Berlin.

Die Stiftung Brückner-Kühner

vergibt seit 1985 den „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ sowie seit 2004 regelmäßig auch den „Förderpreis Komische Literatur“. Die Stiftung wurde von dem Schriftstellerpaar Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner (beide 1921–1996) ins Leben gerufen und ist heute ein Literaturzentrum für die Kultur des Komischen, für zeitgenössische internationale Poesie sowie für die Erinnerung an Werk und Leben des Stifterpaares in dessen Wohnhaus. Geschäftsführender Kurator der Institution ist der Literaturwissenschaftler Dr. Friedrich Block.

Näheres zum Engagement der Literaturstiftung unter http://www.brueckner-kuehner.de.

roughbook 043: Attila József, Liste freier Ideen

Attila Liste freier Ideen

 

„Krepier – Karierte Decke – ich denke – coito ergo sum – ich schwanz-denke, also bist du“. Die am 22. Mai 1936 im Budapester Café Japan entstandene „Liste freier Ideen” ist das Resultat eines radikalen Selbstversuchs, an dem mehrere Persönlichkeiten des ungarischen Dichters Attila József maßgeblich beteiligt waren. Sie beginnt mit einer Schimpfrede auf eine Tischdecke im Kaffeehaus, entledigt sich sogleich des gesicherten cartesianischen Bewusstseins und gibt sich dem regressi- ven Denken und Reden des Unbewussten hin. So lallt und grunzt die Liste fröhliche Glossolalien, hält dann aber mit einem Mal inne, stellt Überlegungen zur Psychologie der Arbeit und zum Wesen des Geldverkehrs an und reflektiert ihre eigene Prozesshaftigkeit. In unendlichem Regress verzehrt die Liste immer wieder ihre Autorschaft, sich selbst und den Leser, empfängt hier und da auch einen Kaffeehausbesucher, was zu einer kurzen Unterbrechung ihrer Niederschrift führt. Dann nimmt sie ihre obsessive Arbeit wieder auf, flucht über die große Anstrengung, regrediert immer weiter und will zurück in den polymorph amourösen Zustand im Mutterleib. [Aus dem Nachwort der Herausgeber]

Attila József, Liste freier Ideen, herausgegeben und übersetzt von Christian Filips und Orsolya Kalàsz

110 Seiten, Euro 10,-/ sFr. 12.-

Bestellen: http://roughbooks.ch/attila_jozsef/liste_freier_ideen.html