Nico Bleutge bespricht in der NZZ „Gedichtverdacht“ von Elke Erb

Mit Gedichten die Welt neu entdecken.
In ihrem neuen Lyrikband forscht und horcht Elke Erb den Dingen und Wörtern bis in die feinsten Verästelungen nach.

https://www.nzz.ch/feuilleton/elke-erb-horcht-in-gedichten-den-dingen-und-woertern-nach-ld.1468326

Werbeanzeigen

Elke Erb: Gedichtverdacht

Elke Erb: Gedichtverdacht. Der jüngste Gedichtband von Elke Erb beginnt mit einem älteren Text, „Die Olympiade“ von 1970, wie alle Texte in diesem Buch im Sommer, den Elke Erb jeweils in Wuischke verbringt, „aus dem Tagebuch geholt“ und hier zum ersten Mal veröffentlicht: „Jammerschade, dass es nicht gelingt, diesen Traum zu erzählen …“ Das letzte Gedicht, „Das mit dem Baum“ vom „12.12.18, halb sieben“, ist den Bäumen gewidmet: „Sie werden mich übersterben. / Meine Handflächen meinen: Schade um sie.“ Von Traum zu Baum, dem Faden der Geduld entlang, mit dem Elke Erb das Alltäglichste und das Wunderbarste miteinander verbunden hat. Das ist „Poesie“: „Ich sagte plötzlich beim Frühstück mit den beiden hier auf dem Land: / Man ist ja irgendwie immer elf, und Geli: stimmt, sie sei immer 12. / Ei!“

roughbook 048, 94 Seiten, Euro 10,-/ sFr. 12.-

Bestellen: http://www.roughbooks.ch/elke_erb/gedichtverdacht.html

 

Jean Daive: ward gebaut

Jean Daive: ward gebaut. „fut bâti“ ist der zweite Gedichtband von Jean Daive, den Werner Hamacher 1979/80 übersetzt und dem Suhrkamp Verlag zur Veröffentlichung angeboten hatte, wo bereits Decimale Blanche, die „Weiße Dezimale“ in der Übersetzung von Paul Celan, erschienen war. Suhrkamp lehnte ab. Jetzt aus dem Nachlass von Werner Hamacher im Deutschen Literaturarchiv in Marbach herausgegeben von Urs Engeler, zweisprachig Französisch und Deutsch, mit einer Vorbemerkung von Werner Hamacher zur Ankündigung des Buches. „Ward gebaut spannt sich aus in der Perspektive vom Schrei bis zum Satz, siebenmal unterbrochen von sieben Zyklen, bis zum Rück-Schrei von Körper und Erinnerung, der siebenmal versucht, ein Substantiv zu artikulieren, Sprache zu finden. Die Geschichte der Sprache wird durch den Körpertext erzählt, während die Geschichte der Sprache durch den Körpertext gebrochen wird. Doppelte Bewegung einer Sprache, die dazu neigt, ihre eigene Erzählung zu formulieren, die versucht zu erscheinen: ward gebaut, was nicht ist.“ (Jean Daive)

roughbook 047, 172 Seiten, Euro 12,- / sFr. 14.-

Bestellen: http://www.roughbooks.ch/jean_daive/ward_gebaut.html

Vincent Sauer bespricht die „Heißen Fusionen“ von Christian Filips

Eine sehr schöne, weil triftige Besprechung widmet Vincent Sauer den Heißen Fusionen von Christian Filips: „Filips‘ Gedichte sind nicht Arbeitsnachweis oder ewig verlängerte Abschlussarbeit, sondern radikal subjektive, oft narrative, selbstreflexive ‚poetische Gedanken statt rhetorischer Reflexionen‘ (Marx) … größtenteils – einige sind vielleicht auch schlicht kluge Witze.“ Am liebsten würde ich die ganze Besprechung kopieren, begnüge mich aber mit dem Schluss und verweise auf die Seite der SIGNATUREN, wo die Besprechnung in ihrer Gänze zu lesen steht: „Filips‘ Schreiben geht Wagnisse ein. So billig das klingt: Gerade deshalb, weil sie ein Interesse daran haben, dass man sie versteht. Das funktioniert. Ein Literat aus Fleisch und Blut, der in unserer Zeit eine Biografie hat, dem sich die Welt und er selbst aufdrängen, ist am Werk. In vielen Gedichten heute, die vielleicht Angst haben, pubertär zu wirken, soll dieser Eindruck ja nie niemals nicht aufkommen. Es ist gut, ja aufklärerisch, wenn man beim Lesen immer wieder realisiert, dass man da ist.“

Dagmara Kraus: Aby Ohrkranf’s HUNCH POEM

Kraus Aby Ohrkranf's Hunch PoemEin Text buckelt und verbuckelt sich; ein Text tut schön und ergeben, liebedienert einem Meister, den er gleichwohl a tergo a gibbi zu entstellen versucht: Aby Ohrkranf’s HUNCH POEM ist ein Gibbusgedicht in fünfundzwanzig Aufzügen, großenteils in ‚Gibbirish‘ (sic) gehalten, einem anmakaronisierten Englisch mit pseudoirischem Klangstich, entstanden auf der Folie – d’après la bosse sozusagen – von Frank O’Haras LUNCH POEMS (San Francisco, City Lights Books, 1964), deren Auswahl mit Buckeln, hunches (d.h. „Gibbi“ bzw. „Kyphoi“) zersetzt und ziemlich verhunzt wurde, weil es von L zu H nur ein kleiner Sprung wär‘ für den Henscheid, aber ein Rückwärtssalto war über drei Buchstaben, um Diderots apokolokynthelnder Forderung nachzukommen, „dasz der buckligte in allen theilen seines körpers buckeln soll“ (Knebel).

roughbook 046, 108 Seiten, Euro 11,- / sFr. 13.-

Bestellen: http://www.engeler.de/bestkraus.html

Christian Filips, Heiße Fusionen, Beta-Album

Filips Neue Heiße Fusionen

Zwischen den ersten Heißen Fusionen [roughbook 005] und den zweiten Heißen Fusionen [roughbook 045] liegen 8 Jahre und ganze 40 Bücher. 2010 beendete Christian Filips die ersten „Heißen Fusionen“ auf ihren letzten beiden Seiten mit dem Versprechen: „Dies ist ein Buch, das sich verändert, von Mal zu Mal. Als ein Kind der digitalen Revolution, die seine Existenz in Frage stelllt, übernimmt es sich stets. Wird übernommen.“ Und nun wurde es in der Tat übernommen: von einem dubiosen Arkadischen Kollektiv, das sich dazu bekennt, die Erstausgabe vollständig fusioniert und zudem ihren Verfasser in Risikokapital verwandelt zu haben. Das Ergebnis steht im Wort. So tief das lyrische Subjekt in die Kreide geraten ist, es wird seine Schuldigkeit noch lange nicht anerkennen!

Leseprobe: Filips, Heisse Fusionen S.66-73

„Ein individuelles Leben ist eine serialisierte kapitalistische Minikrise. Ein Desaster, das deinen Namen trägt. Und dies ist die gebotene Lektüre dazu.“ Brian Massumi

Bestellen: Christian Filips, Heiße Fusionen, Beta-Album, herausgegeben vom Arkadischen Kollektiv

132 Seiten, Euro 10,-/ sFr. 12.-