Klassiker der Gegenwartslyrik: Elke Erb

Elke Erb ist nicht einfach eine Dichterin, sie ist eine poetische Instanz. Mit Steffen Popp sprach sie in der Reihe »Klassiker der Gegenwartslyrik« der Literaturwerkstatt Berlin, hier zu hören.

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Elke Erb in der Literaturwerkstatt am 29.11.2013

Sehr geehrter Herr Engeler, sehr geehrter Herr Filips,

Ihre Autorin Elke Erb liest am 29.11. in der Literaturwerkstatt Berlin.

Klassiker der Gegenwartslyrik: Elke Erb

In Lesung und Gespräch Elke Erb Dichterin, Berlin  Moderation Steffen Popp Autor, Berlin

Elke Erb ist nicht einfach eine Dichterin, Elke Erb ist eine poetische Instanz. Ihr wird zuteil, was nur wenigen entgegengebracht wird: Autoren der nachfolgenden Generationen fühlen sich ihr verwandt und reiben sich produktiv an ihrer Poetologie. Einer von ihnen ist Steffen Popp, selbst Dichter und Prosaautor. Er stellt Elke Erb vor und spricht mit ihr über ihr Leben und ihr Schreiben.

Elke Erb (*1938 Scherbach) ist vielmals ausgezeichnet und hochproduktiv. Sie schaut vorbehaltlos auf die Welt und wundert sich. Und wir, die wir sie lesen dürfen, wundern uns mit, verführt ins Erbsche Sprachuniversum. Wir folgen ihrer Neugier, ihrer Wachheit und können, wenn wir uns einlassen, die Welt mit ihren Augen lesen. Ihre Werkkonstante ist die Offenheit, die alles Geschaffene wieder in Frage stellen kann.

In der Jury-Begründung zum Trakl-Preis, der ihr 2012 verliehen wurde, heißt es: »Elke Erbs lyrisches Werk zeichnet sich durch eine einzigartige Stimme aus, in der sich hohe ästhetische Sensibilität, souveräne Autonomie von ästhetischen Konventionen, Experimentierfreude, Gesprächslust und poetologische Reflektiertheit verbinden.«

Die Reihe Klassiker der Gegenwartslyrik der Literaturwerkstatt Berlin stellt jene Autoren vor, ohne die die deutschsprachige Lyrik nicht das wäre, was sie heute ist. Zu Gast waren bislang Jürgen Becker, Paulus Böhmer, Eugen Gomringer, Harald Hartung, Rolf Haufs, Wulf Kirsten, Ursula Krechel, Johannes Kühn, Günter Kunert, Reiner Kunze, Kito Lorenc, Christoph Meckel, Franz Mon und Doris Runge.

Beginn: 20:00

Ort: Literaturwerkstatt Berlin

Knaackstraße 97 (Kulturbrauerei)

10435 Berlin

Tel +49. 30. 48 52 45 – 0

Fax +49. 30. 48 52 45 – 30

mail@literaturwerkstatt.org  www.literaturwerkstatt.org

Verkehrsverbindung: U2 / Tram 12 / M1 / M10 Eberswalder Straße

Eintritt wenn nicht anders angegeben €5 / ermäßigt €3

Die Literaturwerkstatt Berlin empfiehlt die Buchhandlung

Die Insel, Greifswalder Str. 41, 10405 Berlin

Mit herzlichen Grüßen,

Sophie Seidler

Elke Erb an den Literaturtagen Lana 2013: „Der sechste Sinn“

PROGRAMM

Dienstag, 20.08., 20 Uhr

Begrüßungen: Harald Stauder, Bürgermeister der Marktgemeinde Lana, Prof. Elmar Locher, Präsident der Bücherwürmer

Ruth Klüger: Zerreißproben.  Kommentierte Gedichte. (Zsolnay Verlag 2013)

Einführung und Gespräch: Christine Vescoli und Theresia Prammer

Mittwoch, 21.08., 18 Uhr

Wie richtet es sich auf? Fragen der Haltung

Gespräch mit Elke Erb, Ryszard Krynicki und Ferdinand Schmatz

19 Uhr

Ferdinand Schmatz: Elke Erb die Sprache

Elke Erb: Das Hündle kam weiter auf drein. Gedichtesammlung von 2005-2012 (Roughbook 2013)

20 Uhr

Valzhyna Mort:Kreuzwort. Gedichte. Aus von Uljana Wolf  (Englisch) und Katharina Narbutovic (Weißrussisch). (Suhrkamp 2013).

Gespräch: Elke Erb und Valzhyna Mort

Donnerstag, 22.08., 18 Uhr

Petr Borkovec: Sich an die Dinge verlieren

Lesung und Gespräch mit dem Dichter und der Übersetzerin aus dem Tschechischen Christa Rothmeier

19 Uhr

Lucija Stupica: Mit unsichtbarem Gepäck

Lesung mit der Dichterin und dem Übersetzer aus dem Slowenischen Fabjan Hafner

20 Uhr

Tomaž Šalamun:Die Unendlichkeit ist immer hungrig

Lesung mit dem Dichter und dem Übersetzer aus dem Slowenischen Fabjan Hafner

Gespräch mit Tomaž Šalamun, Lucija Stupica und Fabjan Hafner

Freitag, 23.08., 19 Uhr

Kito Lorenc: Gedichte. Ausgewählt und mit einem Vorwort versehen von Peter Handke. (Suhrkamp 2013)

20 Uhr

Julia Hartwig: Und alles wird erinnert. (aus dem Polnischen von Bernhard Hartmann. Text+Kritik, 2013)

Ryszard Krynicki und Bernhard Hartmann sprechen über die Poesie von Julia Hartwig

Die Literaturtage Lana 2013 werden kuratiert von Theresia Prammer und Christine Vescoli.

Ort:

Schallerhof in der Vill

Raffeingasse 2, 39011 Lana

 

Mehr Infos hier.

André Hatting bespricht Elke Erb: Das Hündle kam weiter auf drein

Zum 75. Geburtstag hat die Lyrikerin Elke Erb in diesem Jahr den Ernst-Jandl-Preis bekommen. Ein guter Verleger reagiert natürlich mit einem neuen Buch. Der Schweizer Urs Engeler ist ein guter Verleger. Er hat soeben in seiner nur über das Internet zu beziehenden ISBN-freien Reihe „roughbooks“ Erbs gesammelte Lyrik aus den Jahren 2005 bis 2012 herausgegeben, Titel: „Das Hündle kam weiter auf drein“.

Und damit sind wir mittendrin: Nicht beim Thema des Bandes, weil auf den 62 Seiten etwa Hunde und andere Haustiere gefeiert würden, sondern bei seiner Technik. Elke Erb ist Sprachlaborantin, ihre Dichtungen sind Näherungsverfahren, und zwar an ihre ganz persönliche Wirklichkeit, zur Kenntlichkeit entstellt. Wie im Gedicht „Sitzplatz“. Das beginnt so:

Komme an den Bhf erkenne plötzlich
eine (broschenförmige) Ähnlichkeit meines Hingehns
zu diesem Nichts, einem Bhf

Wen’s jetzt schon aus diesem „Sitzplatz“ herausschleudert, ist in guter Gesellschaft. Elke Erb liebt die Chiffre, also die Metapher ohne tertium comparationis, ohne den gemeinsamen „Vergleichsmaßstab“. Das macht ihre Lyrik oft schwer zugänglich. Wem dazu Paul Celan einfällt, liegt nicht ganz falsch. Beide folgen aber einer noch älteren Tradition, der des russischen Symbolismus und Akmeismus. Das ist kein Zufall, denn Elke Erb hat in den 1960er-Jahren als Übersetzerin von Alexander Blok, Marina Zwetajewa und Ossip Mandelstam begonnen.

Letzterer ist im aktuellen Band gleich mehrfach Trigger dieser datierten Gelegenheitstexte. Daneben lösen Tagebucheinträge, Postkarten, Bahnfahrten, Spaziergänge und andere Alltäglichkeiten den Rückzug in Erbs Gedankengemach aus. Zum Glück ist das nicht immer eine Dunkelkammer wie beim „Sitzplatz“.

Am 3. 9. 2007 schreibt sie das Gedicht „Zu gleich“:

Das eintretende Alter erheiterte mich
mit einer neuen Neugier und der Lust,
die Nase in Dinge zu stecken, die einen gar nichts angehen,
zum Beispiel Diverses von Pflanzen:
Heimat in Mittelasien. So?
Hat eine Pfahlwurzel, ach?

Eingenommen sein im Alter ist getrennt sein zu gleich.
Ein Ich, das geht – und so kommt, wie es geht.

Prosaisch klar strömen die ersten Verse dahin. Die letzte Strophe hat es dann in sich: eine feine Minimeditation, die zum Wiederlesen einlädt. Davon hat das Buch mehrere in petto, mal bekenntnishaft-beklemmend wie in dem „Was sie will“, mal philosophisch-vielschichtig wie in dem großartigen „Ein Bild springt einem Satz bei“.

Erb eröffnet dieses Gedicht mit einem hochabstrakten Zitat des Philosophen Theodor W. Adorno und schließt das dann auf faszinierende Weise mit „Strohhalmsträhnen [ … ] / an den seitlichen Hecken“ kurz.

Dazwischen stehen viele Gedichte aus dem, was Volker Braun einmal Erbs „Reservat der poésie pure“ genannt hat – schwer zugänglichen Gedankengelände. Lyrikeinsteiger brauchen für diesen Band deshalb Mut. Fortgeschrittenen reicht die übliche Portion poetischen Wahnsinns.

(Im Original steht die Besprechung hier, und das Buch gibt es hier.)

Bettina Hartz bespricht Elke Erb: Das Hündle kam weiter auf drein

Im frisch aus dem Netz gefischten fixpoetry von heute bespricht Bettina Hartz roughbook028, Elke Erb: Das Hündle kam weiter auf drein, oder genauer: das erste Gedicht, mit dem Band auf dem Umschlag beginnt:

„Das Politische der politischen Kunst – die Wahrheit – liegt nicht im Inhalt, sondern in der Form. In der Art, wie ein Thema behandelt wird. Ob da unter etwas ein Haken gemacht wird, oder ein Strich mitten durch. Ein Strich, aus dem eine Linie wird, man weiß nicht, wohin. Geht aber mit in dieses Ich-weiß-nicht, aus Neugier, aus Widerspruch, aus Lebenslust.

Politisch ist, was die Sinne weckt. Was stört. Nervt. Was Schönheit knapp vermeidet. Dadurch herstellt. Was einen unauflösbaren Rest lässt, von dem man nicht weiß, ob man daran erstickt oder ob er einen nährt.

Das kann auch ein Liebesgedicht sein. Ein Naturgedicht.

Die jetzige Welt scheint abgedichtet gegen den Zweifel. Das Nichteinverstandensein.

Das Randständige, Stumme, Abgewandte, das seine Spuren löscht, restlos, also auch jede Erinnerung an die Spur.

Wie kündigt man den Verhältnissen, begibt sich in die einzig noch mögliche – ja, was für ein Paradox – Utopie?

Es gibt, wird beim Weiterlesen dieses den schmalen Band eröffnenden Textes (er entstand 1965, im März 2013 hat Erb ihn „emphatisch ververst“), es gibt, wird beim Weiterlesen klar, keinen Ort mehr, von dem aus sich so ein Text heute schreiben ließe, nicht hier, in diesem Land, in diesem System. Das alles vereinnahmt, domestiziert, indem es ihm einen Preis gibt, es zu einer Marke macht.

[…]

Was tun?

Nichts tun.

Warten.

Zur-Ruhe-Kommen.

Lesen.

Erb lesen.“

Rudolf Bussmann: Wochengedicht #62, Elke Erb

Rudolf Bussmann beschreibt Woche für Woche in der Basler Wochenzeitung „Tageswoche“ ein Gedicht, in dieser Woche ist es ein Gedicht von Elke Erb aus dem neusten roughbook 028, „Das Hündle kam weiter auf drein„.

Magie der Sterne

Zwischen dem ersten und dem zweiten Teil stehen drei Sterne. Wer sie passiert, geht über eine Zeitschwelle, sie trennen die Jugendzeit von der Erwachsenenzeit. Vom Kind ist nicht mehr die Rede, dafür von einem Hund.“ Bussmanns Beschreibung lesen Sie hier.

Elke Erb erhält Ernst-Jandl-Preis für Lyrik 2013

Die deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin Elke Erb wird dieses Jahr mit dem Ernst-Jandl-Preis für Lyrik ausgezeichnet. Wie Kulturministerin Claudia Schmied (S) heute, Donnerstag, in einer Aussendung mitteilte, wird die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung der Autorin am 15. Juni im Rahmen der Ernst-Jandl-Lyriktage in Neuberg an der Mürz überreicht.

Für Schmied gehört Erb „seit geraumer Zeit zu den bedeutenden Stimmen der deutschsprachigen Lyrik. Ihre Texte fordern uns dazu auf, uns vorbehaltlos zu öffnen und uns auf ihre sensible, ästhetische, souveräne, oft mehrdeutige Sprache einzulassen.“ Der Preis wird Erb für ihr lyrisches Gesamtwerk verliehen, mit dem sie „uns die unendliche Vielfalt von Welt und Sprache“ vermittle, so die Ministerin weiter. Die Jury bezeichnete Erbs Lyrik als „ein Schreiben an der Welt entlang, ein offener Prozess, in dem die Formen der Wahrnehmung ebenso überprüft werden wie ihre sprachlichen Mittel“.

Elke Erb wurde 1938 in Scherbach (Eifel) geboren und studierte in Halle Germanistik, Slawistik, Geschichte und Pädagogik. Nach ihrem Lehrerexamen arbeitete sie beim Mitteldeutschen Verlag als Lektorin und ab 1966 als freiberufliche Autorin. Neben regelmäßigen Veröffentlichungen von Kurzprosa, Lyrik und prozessualen Texten machte sich Erb auch als Übersetzerin und Nachdichterin russischer Poesie einen Namen. Seit dem Mai des Vorjahres ist sie auch Mitglied der Akademie der Künste in Berlin.

Der Ernst-Jandl-Preis für Lyrik wurde nach dem Tod des Autors und Dichters im Jahr 2000 initiiert und wird seit 2001 im Zweijahresrhythmus vergeben. Die Auswahl trifft eine fünfköpfige Fachjury, der aktuell Paul Jandl, Alfred Kolleritsch, Friederike Mayröcker, Thomas Poiss und Klaus Reichert angehören. Vor zwei Jahren ging der Preis an Peter Waterhouse.