zu Wolfgang Schlenker

Lieber Urs,

und hier ein paar Sätze zu Wolfgang Schlenker…

http://www.poetenladen.de/gedichte/wolfgang-schlenker.php

Herzlich grüßt dich
Michael

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Hans Thill widmet Wolfgang Schlenker eine Stele

Hans Thill schreibt zu den Gedichten von Wolfgang Schlenker:

Schlenkers Gedichte sprechen vor allem mit dem, was sie nicht sagen. Beschämen durch die Besitz­losig­keit ihres Wortge­brauchs. Meist tragen die lose gefügten, zwei- bis vierzeiligen Strophen sehr schwierige Dinge sehr einfach vor: mit der Evidenz von gelen­kigen „wisdom sayings“, die sich oft zu alle­gorisch-filmischen Land­schaften erweitern. Ein kind­liches Meinen voller Trotz, aus jenem „bereich ohne worte“, „der lieber beobachtet, als zu erlösen“.

Die Stelen sind eine Sammlung kleiner literarischer „Gedenksteine“ in Form eines Gedichtes jüngst verstorbener Dichter, herausgegeben von Hans Thill, zu finden im Poetenladen.

Wolfgang Schlenker in der NZZ

29. März 2012, Neue Zürcher Zeitung

Weisse Worte

als. ⋅ Er gehört zu den Schmetterlingen im Literaturbetrieb: Dem Verleger Urs Engeler ist es immer wieder gelungen, sich und seine Passion innerhalb einer schwierigen Branche neu zu erfinden und mit unkonventionelleren Formen der Buchproduktion das Fliegen jeweils wieder von Beginn an zu lernen. Nachdem schon sein 1995 gegründeter Verlag Urs Engeler Editor mit mäzenatischer Unterstützung mehr als 60 europäische Autoren herausbrachte und damit immerhin ein bemerkenswertes Finanzierungsmodell vorlegte, beschreitet der 50-Jährige nun mit seinen Roughbooks nochmals neue Wege jenseits der klassischen Vertriebspfade: Roughbooks bedeutet kleine Digitaldruckauflagen im Direktvertrieb via Internet, unregelmässige Produktionsrhythmen in enger Zusammenarbeit mit den Autoren und handgrosse, fast quadratische Büchlein für die Jackentasche. Als jüngste unter diesen rohen Perlen ist nun der Gedichtband «doktor zeit» des 2011 verstorbenen Lyrikers Wolfgang Schlenker erhältlich – ein Bündel kraftvoll-ruhiger Texte von eindringlicher Dezenz, die zurückhaltend und beinahe liebevoll meist in zweizeiligen Strophen verschiedene Formen des Abgehens und Verschwindens umkreisen: So taucht der Tod in Schlenkers letzten Gedichten als ein fast logisches Zurückbuchstabieren der Zeit auf, ein natürlicher Übergang des Endes in den Anfang – als ein sanftes Verblassen wie die weissen Worte, die im Gedicht «fussstapfen» an einer weissen Wand «den traum vom sterben» träumen und dabei wohl bereits auf die andere Seite der Mauer geblickt haben.

Wolfgang Schlenker, doktor zeit

Der Dichter und Übersetzer Wolfgang Schlenker ist im September 2011 in Müncheberg bei Berlin aus dem Leben geschieden. Ich habe zwei Bücher mit Wolfgang Schlenker gemacht, 2000 seinen Gedichtband nachtwächters morgen, und kurz darauf seine Übersetzung von Gedichten von Emily Dickinson, Biene und Klee. 2008 haben wir begonnen, über ein weiteres Buch mit Gedichten zu sprechen, das ich dann aber nicht mehr machen wollte, weil ich schon damals spürte, dass Urs Engeler Editor es nicht mehr lange wird machen können. Jetzt ist Wolfgang Schlenker tot, und ich lebe mit den roughbooks weiter. Ich veröffentliche jetzt die beiden Zyklen, die mir Wolfgang Schlenker damals als Teil eines neuen Gedichtbandes „doktor zeit“ gezeigt hat, unter diesem Titel als roughbook 020 im Frühling 2012.

56 Seiten, Euro 8,50 / sFr. 11.-