roughbook027: Paul Bogaert, der Soft-Slalom

Das Jahr der Suppe. Das Atmosphäre im Büro ist angespannt. Namen müssen erdacht werden und die Klimaanlage funktioniert nicht wie sie soll. Im Badeparadies herrscht ein enthusiastisches, ja erregtes Klima, vor allem in den Rutschen. Bis der Bademeister in Schwierigkeiten kommt. Er wird verhört von Ertrunkenen und persönlichen Coaches. Der Bademeister versucht sich zu konzentrieren. Aber das Niveau ist gesackt. Das Böse ist geschehen. In “der Soft-Slalom” richtet Paul Bogaert den Fokus auf den diplomierten Arbeiter in seiner erhitzten Glocke, der bei jedem kleinen Scheiß auf Abruf von hier nach da sputet, in der “possierlichen Langes-Schöpfnetz-Choreographie”. “Der Soft-Slalom” ist ein langes, eng gefügtes Gedicht, bequem aufgeteilt in lauter einzelne Gedichte, die sich dann aber wieder zu einem ungeheuren, krakenarmigen Ganzen gruppieren. Herausgegeben und übersetzt von Christian Filips.

Bogaert softslalom

Bestellen: Paul Bogaert, Der Soft-Slalom

66 Seiten, Euro 9,-/ sFr. 11.-

roughbook026: Dagmara Kraus, kleine grammaturgie

In ihrem neuen Gedichtband steigt Dagmara Kraus in eine Quelle, die selten für Gedichte genutzt wird: die munter sprudelnden Plansprachen, wie sie immer wieder erfunden werden, dem polyglotten Chaos in einer Zunge zu antworten. Vier dieser Plansprachen begegnen uns namentlich: “Myrana” von Josef Stempfl, “Volapük” von Johann Martin Schleyer, etwas unausgegorenes “Tcatcalaqwilizi“  und vor allem “Langue bleue”, nach ihrem Erfinder Léon Bollack auch “Bolak” genannt. Dessen Wunsch war, dass Bücher in Langue bleue in blauer Farbe gedruckt werden – den Wunsch haben wir ihm zumindest für Gedichte in Langue bleue erfüllt. Nicht erfüllt hat Dagmara Kraus hingegen Bollacks Erwartung, dass seine Sprache nur für den Handel genutzt werde, nicht aber für Literatur: “La devise de la langue bleue : dovem pro tle, ‚deuxième pour tous’ indique clairement que sa seule ambition doit être de traduire les besoins les plus usuels, ceux-là même qu’implique le mot ‘commerce’ dans sa plus large acceptation … Cette délimitation exclut toute prétention littéraire. La littérature … ne peut trouver place dans un idiome artificiellement crée par un individu. Cette ligne de démarcation est de la plus grande utilité … “ Die Entwicklung der Poesie ging klarerweise in Richtung Sprache, wie sie in einem einzelnen träumt und wacht.

Kraus grammaturgie

Bestellen: Dagmara Kraus, kleine grammaturgie

72 Seiten, Euro 12,-/ sFr. 15.-

roughbook 025: Øyvind Rimbereid, prostym nozhom

Als Bert Papenfuß das lange Gedicht “Solaris korrigiert” des Norwegers Øyvind Rimbereid zur Übersetzung vorschlug, brannte im Golf von Mexiko gerade eine Ölplattform. Fast 36 Monate später hat er Rimbereids Synthese aus Stavanger-Dialekt, Lowland Scots, Englisch, Niederländisch und Dänisch, gemischt mit Formen der Altnordischen Sprache, diesen “sprachlichen Zirkel um Ekofisk“, in eine Mixtur aus Pommersch Platt, Russisch, Polnisch, Kaschubisch und Mittelhochdeutsch transportiert: Der glückliche Fall der Übersetzung einer synthetischen Nordseesprache in eine utopische Ostseesprache, die im Feuerschein des Originals lesbar wird. Auch das zweite Langgedicht “St. Petersburg Wasser”, von Papenfuß in die Hauptstadtsprache übersetzt, beschäftigt sich mit dem In-, Durch- und Auseinander von Natur und Kultur, Zeit und Geschichte, Autobiographie und Politik: “Welcher Lärm isset, den / wir lauschen? / Jetzt als’n abjelaufner Schuh, / jetzt als’n jeneigter Nacken, / jetzt als’n blasset Bild, / allen Jittern entsprungen? / Die umjekehrte Utopie, Dys- / topia, die damals / inne ersten Stunden vonne Nacht / aus mein orangenet Philips-Radio knisterte, / aus seine Schattenwellen, ’ne schnarrende Stimme / durch’n Schleier aus rote Jardinen, / und anne Stimmen von meine Jroßeltern vorbei, / die von unten uffjestiegen sind.”

Rimbereid prostym nozhom

Bestellen: Øyvind Rimbereid, prostym nozhom

158 Seiten, Euro 12,-/ sFr. 15.-

Besprechung von “Para-Riding” auf fixpoetry

“Wie langweilig Bücher sein können fällt erst auf, wenn man eines der seltenen experimentellen Sorte in die Finger bekommt. So eines hat Urs Engelers roughbooks-Reihe der zu Unrecht hierzulande kaum bekannten Laura (Riding) Jackson (1901 – 1991) gewidmet, die zu Recht beachteten Monika Rinck und Christian Filips haben die Texte ins deutsche übergesetzt, eine Auswahl aus Lyrik, Aufsätzen, programmatischen Texten. Ein schräges und mutiges Experiment – eine Entdeckung, ein Spielbuch.”

Die ganze Besprechung steht hier, das Buch “Para-Riding” gibt es nur hier.