roughbook 025: Øyvind Rimbereid, prostym nozhom

Als Bert Papenfuß das lange Gedicht “Solaris korrigiert” des Norwegers Øyvind Rimbereid zur Übersetzung vorschlug, brannte im Golf von Mexiko gerade eine Ölplattform. Fast 36 Monate später hat er Rimbereids Synthese aus Stavanger-Dialekt, Lowland Scots, Englisch, Niederländisch und Dänisch, gemischt mit Formen der Altnordischen Sprache, diesen “sprachlichen Zirkel um Ekofisk“, in eine Mixtur aus Pommersch Platt, Russisch, Polnisch, Kaschubisch und Mittelhochdeutsch transportiert: Der glückliche Fall der Übersetzung einer synthetischen Nordseesprache in eine utopische Ostseesprache, die im Feuerschein des Originals lesbar wird. Auch das zweite Langgedicht “St. Petersburg Wasser”, von Papenfuß in die Hauptstadtsprache übersetzt, beschäftigt sich mit dem In-, Durch- und Auseinander von Natur und Kultur, Zeit und Geschichte, Autobiographie und Politik: „Welcher Lärm isset, den / wir lauschen? / Jetzt als’n abjelaufner Schuh, / jetzt als’n jeneigter Nacken, / jetzt als’n blasset Bild, / allen Jittern entsprungen? / Die umjekehrte Utopie, Dys- / topia, die damals / inne ersten Stunden vonne Nacht / aus mein orangenet Philips-Radio knisterte, / aus seine Schattenwellen, ’ne schnarrende Stimme / durch’n Schleier aus rote Jardinen, / und anne Stimmen von meine Jroßeltern vorbei, / die von unten uffjestiegen sind.“

Rimbereid prostym nozhom

Bestellen: Øyvind Rimbereid, prostym nozhom

158 Seiten, Euro 12,-/ sFr. 15.-

Besprechung von „Para-Riding“ auf fixpoetry

„Wie langweilig Bücher sein können fällt erst auf, wenn man eines der seltenen experimentellen Sorte in die Finger bekommt. So eines hat Urs Engelers roughbooks-Reihe der zu Unrecht hierzulande kaum bekannten Laura (Riding) Jackson (1901 – 1991) gewidmet, die zu Recht beachteten Monika Rinck und Christian Filips haben die Texte ins deutsche übergesetzt, eine Auswahl aus Lyrik, Aufsätzen, programmatischen Texten. Ein schräges und mutiges Experiment – eine Entdeckung, ein Spielbuch.“

Die ganze Besprechung steht hier, das Buch „Para-Riding“ gibt es nur hier.

Ames, Bresemann, Genschel, Kornappel und Lange lesen Gedichte & der Josquin-DJ macht Musik

von raumanzügen, kunstkammern und referenzflächen, der gier, der
großen schrift, den stilen

„Ich traf eins und fragte es, was Poesie sei. Es versetzte mir, Nützlichkeit sei das Letzte. Und dieses heißt Reißwolf und jenes heißt Ökoöl. Oder Poesie per Livestream. Oder Life Conditioner. Eine seltene Säure. Jeder Engel geht einem schrecklich auf die Nerven. Andere Gerichte sind Elegien. Viel Glück beim Sampling! Oder bei der Engführung. Da falle ich aus den Wolken. Wir, das Volk, Ich das Ich, lebendig und auf jedem Dokuspaßkanal. Wer Geschichtsknoppers liebt, sollte jetzt besser gehen. Zu wünschenswert. Sagt ‚Tschüss‘ dem dreifach gesattelten Pferd.“

http://playingwitheels.de/veranstaltung-berlin-kreuzberg/events/poetenlesung-von-raumanzuegen-kunstkammern-und-referenzflaechen-der-gier-der-grossen-schrift-den-stilen.html