Pierre Guyotat / Grabmal für fünfhunderttausend Soldaten, aus dem Französischen übersetzt von Holger Fock

Guyotat

Ein Werk, ein Kontinent ist zu entdecken: Pierre Guyotat. Bis auf eine kleine Übersetzungen bei Matthes & Seitz (in: Ich gestatte mir die Revolte, herausgegeben von Bernd Mattheus und Axel Matthes) ist bisher nichts auf Deutsch erschienen, was umso erstaunlicher ist, wenn man bedenkt, wie gerne deutsche Verleger sich in Frankreich umsahen (zumindest in den 60er und 70er-Jahren) und welcher Klang der Name Guyotat in Frankreich hatte und hat. Guyotats Buch “Eden Eden Eden” von 1970 wurde sofort nach Erscheinen verboten und kam erst 1981 wieder frei, nachdem sich zuvor zahlreiche Künstler und Autoren (unter ihnen Pier Paolo Pasolini, Jean-Paul Sartre, Pierre Boulez, Joseph Beuys, Jean Genet, Michel Foucault, Jacques Derrida, Roland Barthes, Michel Leiris, Philippe Sollers, Maurice Blanchot, Max Ernst, Italo Calvino, Simone de Beauvoir, Nathalie Sarraute…) in einer öffentlichen Petition dafür eingesetzt hatten. Sein Werk ist von einer monumentalen Kraft und Intensität, und es wird mit den Jahren immer differenzierter und vielfältiger. Etwa in der Halbzeit von Urs Engeler Editor begann ich mich nach Prosaautoren umzusehen, um der Falle zu entgehen, die der Buchhandel mit Gedichten verwechselte. Dass das Buch, mit dem ich den Durchbruch wagen wollte, die 500 Seiten dichtester Blocksatz mit dem Titel “Tombeau pour cinq cent mille soldats”, nach meinem Rechtekauf bei Gallimard sich dann auf einer Leseliste wiederfand, die die hundert wichtigsten Gedichtbände der französischen Gegewartspoesie versammelt (cent titres – à l’usage des bibliothécaires, libraires & amateurs, das PDF gibt es dort zum runterladen) scheint mir eine Ironie zu sein, die eines Poesieverlages würdig ist. Ein paar Jahre vergingen mit der Suche nach einem geeigneten Übersetzer (einer, der mir damals geeignet erschien, Jürg Laederach, lehnte ab mit der Bemerkung, “ein Mann kann nicht ein paar Jahre seines Lebens mit der Nase am Arschloch eines andern Mannes verbringen”), bis mich Anne Weber auf Holger Fock aufmerksam machte, der ein paar Jahre zuvor bereits erfolglos nach einem Verleger für Pierre Guyotat gesucht hatte. Dass seine Übersetzung nun im Frühjahr 2013 bei Diaphanes erscheinen wird, gehört zu den vielen Umwegen auf Guyotats Weg in die deutsche Sprache. Ich bin sicher, er wird dort eines Tages ankommen. Auf dem Weg dorthin schätze ich mich glücklich, ihn und sein Werk ein paar Schritte lang durch diese erste Veröffentlichung aus Holger Focks Übersetzung und durch weitere, für die nächsten Mützen geplante Beiträge zu begleiten.

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