Konstantin Ames: (Preiskarusselllyrikkommentare« 22.4.2012)

Diese Zitronentart ist ein Gedicht!

Wie man sieht, dreht sich das Preiskarussell in der KostBar auf eher niedrigem Level und neben einer gut sortierten Weinkarte finden sich Kulmbacher Biere.

Das Preiskarussell an der Zapfsäule dreht sich schneller und schneller.

Selbst Schüler mischen im Preiskarussell mit und treiben damit manche Branchen an den Rand des Ruins.

Neue Brenner sind zwar sparsamer als alte, dem Preiskarussell entkommt man damit jedoch nicht.

Ich weiß, dass dies ein Langzeitspiel ist und auch der Markt nach Angebot und Nachfrage funktioniert und auch das Preiskarussell sich danach richtet.

Das Preiskarussell an der Zapfsäule dreht sich schneller und schneller.

Mir sagte mal ein Frauenzimmer, Symmetrie sei die Ästhetik der geistig Minderbemittelten.

Diese Zitronenhaie haben Finnen.

(Preiskarusselllyrikkommentare« 22.4.2012)

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Vom Aufmischen getrockneter Tinte – Dominik Dombrowski bespricht für fixpoetry „Sleutel voor de hoogduitsche Spraakkunst“ von Bertram Reinecke

Wir zitieren den Anfang und den Schluss von Dombrowskis Besprechung:

Der Lyriker und Herausgeber Axel Kutsch schrieb unlängst in dem von Michael Gratz betreuten Blog „Lyrikzeitung.com“, Bertram Reinecke sei wohl „einer der originellsten Lyrikbände der deutschsprachigen Literatur unserer Tage“ gelungen. Woran liegt das? Das Originelle an Reineckes Gedichtband rührt möglicherweise daher, dass er durch seinen retrospektiven, stilpluralisierenden Ansatz die Strömungen heutiger Gedichtsschreibung erfrischend konterkariert. Mit seinen unterschiedlichen „Schlüsseln“ für die hochdeutsche Sprachkunst taucht Reinecke tief in den Lyrikkanon ein, um mit ein paar Jahrhunderten Poeterey zu experimentieren, angefangen bei Dante, Dach und Andreas Gryphius über Hölderlin bis hin zu Rilke, den Expressionisten und schließlich Gegenwartslyrikern wie Norbert Lange, Elke Erb oder Jürgen Becker, um nur ein paar wenige zu nennen. Es sind Aufmischungen lang getrockneter Tinte, die uns Reinecke präsentiert, Einflußnahmen in die Vergänglichkeit. […] Es würde zu kurz greifen, in Reineckes Lyrik etwa nur ein retromanisches Phänomen zu sehen, nach der Devise, je gegenwartsverweigernder, desto moderner, denn der Dichter zeigt uns virtuos die unausgeschöpften Möglichkeiten der Dichtkunst, auch der vermeintlich vergangenen, gerade an dem Punkt, an dem sich die heutige Lyrik oft an ihrer Verwechselbarkeit reibt. In dieser Monotonie bekommt die Reineckesche Dichtung beinahe etwas Alchemistisches, Rebellisches. Vielleicht liegt darin der Grund ihrer Originalität.

Die vollständige Besprechung steht hier bei fixpoetry.

Elke Erb, Monika Rinck und Christian Filips am Lyrikmarkt in Berlin

Der große Lyrikmarkt des poesiefestival berlin

Poesie ist marktfähig! Mit dem großen Lyrikmarkt lädt das poesiefestival berlin ein zum Schmökern und Stöbern, am 9.6.2012 auf dem Gelände vor der Akademie der Künste, Hanseatenweg.
Ausgewählte Verlage, Antiquariate und Buchhändler für Lyrik bieten poetische Neuerscheinungen, Fundstücke und Raritäten. Mit dabei sind u.a. BELLAtriste, Carl Hanser Verlag + Akzente, Edit, Edition Korrespondenzen, Edition Rugerup, Fixpoetry, hochroth Verlag, KOOKbooks, Leipziger Literaturverlag, Literaturverlag Droschl, Luchterhand Literaturverlag, luxbooks, Lyrikedition 2000, Matthes & Seitz Berlin, Matthias Wagner Antiquariat, Poesiealbum / MärkischerVerlag, poetenladen verlag, roughbooks, Verlag C.H. Beck, Verlag Das Wunderhorn, Verlag Hans Schiler, Verlagshaus J. Frank I Berlin und Wallstein Verlag.

Für buntes Marktreiben sorgt ein lyrisch-musikalisches Bühnenprogramm.
Max Prosa, einer der derzeit aufregendsten deutschsprachigen Singer-Songwriter, gibt ein Unplugged-Konzert. Bernadette La Hengst, Mitbegründerin der Hamburger Schule, tritt auf, ebenso wie die Berliner Independent-Band Artwhy, die Dichterband Fön und der musizierende Dichter Jan Böttcher. Die deutsche Poetry-Slam-Meisterin Nora Gomringer bringt ihre Texte auf die Bühne, begleitet von dem Schlagzeuger und Perkussionisten Günter Baby Sommer. Die Dichter Christian Filips und Monika Rinck werden nicht nur ihr dichterisches Können präsentieren: Eigens für den Lyrikmarkt treten sie als Chansonniers auf. Der Dichter Rainer Stolz lädt ein zu einem poetischen Vogelspaziergang durch den Tiergarten, Bert Bredemeyer wird zur Balladen-Juke-Box, Elke Erb, Christian Filips und Bo Wiget beantworten kochend und dichtend dringende Haushaltsfragen. Für die Kinder gibt es ein eigenes Spiel- und Bastelprogramm rund um Poesie.
Der Eintritt ist frei.
Der Lyrikmarkt setzt den überaus erfolgreichen ersten Berliner Lyrikmarkt fort, der 2011 im Rahmen der 20-Jahr-Feier der Literaturwerkstatt Berlin in der Kulturbrauerei stattfand.

Das 13. poesiefestival berlin findet statt vom 1. – 9.6.2012 in der Akademie der Künste, Hanseatenweg 10. Weitere Informationen unter: www.literaturwerkstatt.org

Hans Thill widmet Wolfgang Schlenker eine Stele

Hans Thill schreibt zu den Gedichten von Wolfgang Schlenker:

Schlenkers Gedichte sprechen vor allem mit dem, was sie nicht sagen. Beschämen durch die Besitz­losig­keit ihres Wortge­brauchs. Meist tragen die lose gefügten, zwei- bis vierzeiligen Strophen sehr schwierige Dinge sehr einfach vor: mit der Evidenz von gelen­kigen „wisdom sayings“, die sich oft zu alle­gorisch-filmischen Land­schaften erweitern. Ein kind­liches Meinen voller Trotz, aus jenem „bereich ohne worte“, „der lieber beobachtet, als zu erlösen“.

Die Stelen sind eine Sammlung kleiner literarischer „Gedenksteine“ in Form eines Gedichtes jüngst verstorbener Dichter, herausgegeben von Hans Thill, zu finden im Poetenladen.

Bertram Reinecke: Spraakkunst und Tulpenkrise

In der Zusammenfassung der lyrikzeitung:

21 anspruchsvolle Titel liegen bei Roughbooks mittlerweile vor. Bertram Reineckes “Sleutel voor de hoogduitsche Spraakkunst” ist die Nummer 19. Der Titel trägt eine doppelte Botschaft. Einmal ist es der namentliche Verweis auf ein historisches Sprachlehrbuch. In einer kleinen Textserie montiert Reinecke Phrasen aus dem Lehrbuch aneinander, mit dem einst junge Menschen nicht nur Hochdeutsch lernten, sondern auch eine Welt von Sitten, Weltsichten und Vorurteilen kennen lernten. Denn selbst wenn sich Lehrbuchautoren Mühe geben: Sie kommen nicht aus ihrer Haut. Selbst die einfachsten Aussagesätze verraten ihren Ursprung. “Welchen Besen hat der Bediente?” – “Er hat den seinigen.” Ganz verräterisch sind die Besitzanzeigen. Manche dieser kurzen Texte lesen sich in der Raffung, die Reinecke vornimmt, wie die Suche der Polizei nach einem ganz gewieften Dieb.

Um Dieberei geht es auch in anderen Texten. Denn nichts war ja in den letzten Jahren der Faulen-Kredite-Blase so hochaktuell wie die holländische Tulpenkrise von 1637/1638, die Reinecke im Stil eines Sonetts von Andreas Gryphius verarbeitet: “O Teur erworben Gut!” Womit man schon mittendrin ist in Reineckes Art, mit den Themen der Gegenwart umzugehen: Er collagiert. Das tun auch andere Dichter. Manche variieren dann auch, persiflieren, imitieren, zitieren, schreiben Hommagen oder nutzen einfach die Stilmittel ihrer Vorbilder, und zwar so, dass der Leser es merkt. Denn darum geht es: Man akzeptiert den Lesenden als Gleichgesinnten und traut ihm zu, die Wurzeln der Gedichte zu kennen und wiederzuerkennen. …

Wenn Reinecke dann freilich die Dichter des 17. Jahrhunderts – Simon Dach etwa – zum technischen Muster nimmt, um ein moderneres Thema und das Motiv eines heutigen Dichters zu verarbeiten, wird spürbar, wie komplex Sprachmaterial tatsächlich funktioniert und wie stark es mit dem Gestus der Epoche (hier des deutschen Barock) verquickt ist. Was zumindest bei den großen deutschen Barockdichtern bis heute eine nicht geringe Faszination ausmacht. Schon eins der nächsten Gedichte im Stil der Christiana Mariana von Ziegler zeigt, wie sehr nur ein Jahrhundert später der Stil über den Inhalt dominierte. Die Zieglerin, Tochter des Leipziger Bürgermeisters Romanus, wird zwar zur Aufklärung gezählt. Doch gerade in der Lyrik konnten sich die deutschen Dichter in der Mitte des 18. Jahrhunderts nicht dazu durchringen, wieder wesentlich zu werden, wie es Lessing forderte. Man tändelt und disputiert und reimt mehr über Dichterey, als dass man dichtet.

Was Reinecke in fröhlicher Variation persifliert, bis hin zum Schäfergetändel der Zeit: “Ob gleich die, so er liebt, ihn nur mit Worten speist”. / Ralf Julke, Leipziger Internet Zeitung

 

roughbook 021: Bruno Steiger

Howard Phillips Lovecraft und Schuldt, Anita Ekberg und Lars Gustafsson erweist der Autor in seinen Prosameditationen ebenso die Reverenz wie dem Clown Adrian Wettach („Grock“) und dem (fiktiven) Gitarristen Viktor Ullmer. Nebst Gedichten und einem umfänglichen Romanfragment vermittelt ein provisorisches Destillat aus den derzeit entstehenden „Letzten Notizen“ weitere Einblicke in Steigers Ansatz eines „kritischen“ Schreibens, in welchem Literatur als Grenzphänomen zur Geltung kommen soll: als Spiel zwischen den diffusen Realien von Welt und Entwurf. Bruno Steiger, Jahrgang 46, lebt als Autor und Kritiker in seiner Geburtsstadt Zürich. Zuletzt sind bei Urs Engeler Editor die Aufzeichnungen „Das Fenster in der Luft“ (2008) und der Essay-Band „Zwischen Unorten. Über Literatur und Kunst“ (2009) erschienen.

198 Seiten, Euro 12,70 / sFr. 16.-