Bruno Steiger: Letzte Notizen 113

„Die Mythe log.“
Es war das Gegenteil von Betrug.
Benns Vorschlag für eine Möglichkeit, sich über das, was gewesen zu sein scheint, hinaus-, bzw. zeitl. VOR jenes sich zurückzulehnen, finde ich noch jetzt unmittelbar einleuchtend. Ich nenne es die Möglichkeit der Poesie.

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3 Kommentare zu „Bruno Steiger: Letzte Notizen 113

  1. Über das, was gewesen zu sein scheint, bemerkte T.S.Eliot zu Beginn seiner „Four Quartets“ wie folgt:

    „What might have been is an abstraction, remaining
    a perpetual possibility, only in a world of speculation.“

    (Was hätte gewesen sein können ist eine Abstraktion,
    als immerwährende, nur in einer Welt der Mutmassung verbleibende Möglichkeit.“

  2. Verlorenes Ich?

    Verlorenes Ich, zersprengt von Stratosphären,
    Opfer des Ion -: Gamma-Strahlen-Lamm –
    Teilchen und Feld -: Unendlichkeitschimären
    auf deinem grauen Stein von Notre- Dame.

    Die Tage gehn dir ohne Nacht und Morgen,
    die Jahre halten ohne Schnee und Frucht
    bedrohend das Unendliche verborgen –
    die Welt als Flucht.

    Wo endest du, wo lagerst du, wo breiten
    sich deine Sphären an – Verlust, Gewinn -:
    ein Spiel von Bestien: Ewigkeiten,
    an ihren Gittern fliehst du hin.

    Der Bestienblick: die Sterne als Kaldaunen,
    der Dschungeltod als Seins- und Schöpfungsgrund,
    Mensch, Völkerschlachten, Katalaunen
    hinab den Bestienschlund.

    Die Welt zerdacht. Und Raum und Zeiten
    und was die Menschheit wob und wog,
    Funktion nur von Unendlichkeiten –
    die Mythe log.

    –Gottfried Benn

  3. Politics (by Tim Lilburn)

    http://lyrikline.org/index.php?id=162&L=0&author=tl02&show=Poems&poemId=4452&cHash=e5184ea677

    Momentum’s needle pulls the ear in its elm bark casket

    under four and a half feet of ice,

    past alder leaf hide windows, where it sweats shaking, boney rooms

    of West European night which hydraulic over seventy-two hours

    a rack from themselves that is the corpus of the lake

    in armspread thinking, then the rooms, their singlebed ears, breast up points of

    sparking sentence skeletons of tamarack, of cougar-wound rock, one bird in a canyon

    stuffing miles into mass.

    This is Tristia, here serviam’s darling pubic mound. Set the table.

    Roman-candling around the henosised ear, towering nose,

    pheromones of the aquatic cat; a squirrel plays dead in the green

    cloud, bottom-dipping smell.

    A birch’s scooping claw is caught in ice.

    The tusked fish cuts and cuts over the sludge.

    The ear dragged by moaning chains, gang-followed, in its quiet.

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