Bruno Steiger: Letzte Notizen 112

Der „Kommentarcharakter“ jeder sprachlichen Äusserung unterliegt der – weder zureichend beleg- noch vermittelbaren, da subjektimmanenten – Erfahrung, dass es letztlich NICHTS gibt, was zu sagen wäre. Insofern ist alles Reden/Schreiben, mit Benn zu sprechen, ein Kommentar „zur Lage“. ABER: Wir können uns täuschen. Allein deshalb schreiben, sprechen wir unausgesetzt weiter. In einer Abgleichung von Monologen. Im Überholen (od.  Auffrischen?) der ursprünglichen Zäsur.

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4 Gedanken zu “Bruno Steiger: Letzte Notizen 112

  1. innenbilder says:

    denkbar ist auch, dass es sich um die Folge eines Sehfehlers handelt: die Vernunft setzt immer noch eins drauf. kann es nicht sein lassen. es gäbe genug zu hören, zu sehen auch, doch das wären nicht wir. da hieße es abgeben, sein lassen.

  2. Léonce W. Lupette says:

    Zu Zäsur und Sujet:

    Le langage pousse
    comme un fruit
    devient vite
    la propriété
    de sujet séparé

    [Jean Daive]

    Jeder Monolog eine Zäsur, Sprechen eines „sujet séparé“: ich richte mich an mich als einen Andren. (Oder ein Andrer richtet sich als ich an mich). Folglich landen wir wieder beim Polylog. Beim Abgleichen. (Nichts davon gleitet ab). Absenden.

  3. bruno steiger says:

    Den Schlusswörtern dieser beiden (innenbilder + Lupette) ebenso diskreten wie eleganten Kommentare – „sein lassen“ und „absenden“ – ist, will mir scheinen, nichts hinzuzufügen. Ausser ein paar spitzfindigen Girlanden aus meiner eigenen Küche, die ich jedoch, wo die Vorgaben so erfrischend Klartext sprechen, mir für den nächsten ganz müden Augenblick aufheben möchte. Sehr herzlich, B. S.

    1. Konstantin Ames says:

      Wow. Wieder Zeit für Kopfnoten („diskrete wie elegante Kommentare“). Naja, wer´s braucht.

      Zum sehr feinen Gespinst
      („Der „Kommentarcharakter“ jeder sprachlichen Äusserung unterliegt der – weder zureichend beleg- noch vermittelbaren, da subjektimmanenten – Erfahrung, dass es letztlich NICHTS gibt, was zu sagen wäre.“)
      meine Gegenbehauptung: „Die Mythe log.“ (Hl. Gottfried)

      Subjekte, wie ich eins bin (sterblich, fehlbar, nicht vom Hl. Geist inspiriert, ohne Sinn dafür, „was vor der intakten Silbe deligiert sein muss“) sehen ja den Kommunikationscharakter sprachlicher Äußerungen in Geltung – intersubjektiv erfahrungsgemäß.

      Gäb´s tatsächlich nichts zu sagen: wären wir alle nicht über den Kinderschrei hinaus gebracht worden. Ging aber.

      Abschließend (von meiner Seite) die Vermutung: Über „alles Reden/Schreiben“ könnte wohl letztlich nur ein höheres Wesen, nenn´s Gott, Götter, Übermensch, letztgültig urteilen; nicht aber ein Mängelwesen. Argumentation vs. Apodiktik (wie elegant auch immer vorgetragen).

      … und den Menschen ein Wohlgefallen.

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