Goethe entdeckt Lyrik

„Ein Ochs käut Phlox“ – Junge Autoren entdecken die Lyrik neu

Der Lyrik geht es gut in Deutschland! Eine aktive, gut vernetzte Szene geht neue Wege und setzt Standards.

http://www.goethe.de/kue/lit/aug/de8044773.htm

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Bruno Steiger: Letzte Notizen 117

Das ist die Zukunft

Weiss wie ein Gefängnishof, in welchem noch
einmal Brennholz gesammelt worden war.
Was verloren ging, wurde durch weisses Wasser geschwemmt.
Zwei Maulesel folgen einer weissen Ziege
an ein kurzes weisses Bächlein.
(Und in den Orchestergräben meiner Sinne
sehen sich falsche Dirigenten von weissen Tenören verraten.)

Bruno Steiger: Letzte Notizen 115

Letzte Notiz für Anita Pallenberg

Geadelt vom Körper eines Ungetüms…
Aus sich herausgewürgt das alte Land,

Tagsüber Windgeschwindigkeiten,
Balkongetuschel, etwas tropft ab,
Am Fuss der Bananenstaude,
Wenn meine umgetaufte Strasse aufwacht,
Heben sich Ohren an den Vertrag des Landes, dicke Ohren, ach, sie hörten alles, abgewandt, im mehrfach Gebackenen Steinobst,

Was Tag ist, ruht,
Klugheit gibt es in einer Schülerin,
In den Witwen von „Süsswassermatrosen“.

Christian Filips: Heiße Fusion im Tauler-Taumel

da swimmet der geist alle zit,
über sich das nie enkein are. […]

Fluke, angeschaut, ins Meer getaucht
am Horizont: die Abstraktion der Fluke.

Die Frage war womöglich: Wie
von hier aus zur Einkehr gelangen?

Da hilft nur schmiegen, walfischartig zart
an den Marianengraben ran.

Schmiegsam, schmiegsam, großer alter Säuger
im Geiste, also uf engeflög engegen

der liplichen sunnen,  noch das für engegen
dem himel schwimmt

alles, alles, nichts, das fliegt,
zur Lippen-Sonne, Stoßzahn, lieblich hin.