Elke Erb, Christian Filips und Bo Wiget in Hildesheim, Prosa Nova

Tageszeitung vom 31. Mai 2011:

Eine neue Form bei gelungenem Inhalt gibt es dagegen bei der Lesung „Haushaltsfragen“.

Die Autorin Elke Erb, 73, und der Autor Christian Filips, 29, leben in Berlin in einer Wohngemeinschaft, deren Küche sie in Berlin ab- und in Hildesheim wieder aufgebaut haben. An diesem Küchentisch lesen und singen sie ihre Texte, während sie Kartoffeln schälen und Sektflaschen entkorken. Die Musik kommt live vom Cellisten Bo Wiget.

Erbs Lyrik und Kurzprosa sind witzig und hintergründig, Filips gesungene Gedichte erinnern an Bert Brecht und Kurt Weill und erst bei näherem Hinhören bemerkt man ihre Absurditäten. Am Ende hängen Erb und Filips Küchengeräte auf an Fäden, die von der Decke kommen. So wird dann aus der Homestory auch noch eine Installation, die den Namen sogar verdient: Die Küchengeräte gehören Erb und haben einige Jahre auf dem Buckel, die sie beim Schweben über den Dingen wunderbar leicht verlieren.

Das Lesen im veröffentlichten Privaten erdet die Texte. Der heilige Ernst des Textes ist weg, und die Küchensituation befriedigt auf eine unaufdringliche Weise die Neugier, die das Publikum mitbringt: Schließlich will man auch erfahren, was der Autor für ein Typ ist, wie er klingt, und welche Ausstrahlung er hat.

Die charmanten Effekte der Küchenlesung wären wertlos, wenn die Texte nichts taugten. Und das ist dann auch das Ergebnis der Hildesheimer Suche nach der Kunstform Lesung: Neue Formen können ein Gewinn sein, ohne Inhalt aber sind sie nichts wert. Und der Inhalt bleibt nun mal der Text.

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