Bruno Steiger: Letzte Notizen 95 (Das Element des Aufbruchs IX)

Kein Mensch fragte mich, ob ich für das Kommende gerüstet sei. Es sah ganz danach aus, als habe sich in mir etwas gewandelt. Ich war nicht mehr der Simulant der Reinigung; ich war rein. Über meinem Zwerchfell schlug die Zeit in Sekundenschnelle zusammen. Meine Körpertemperatur nach wie vor im grünen Bereich, das mir Mögliche in den Aggregatzustand einer in Fetzen gerissenen Zipfelmütze ausgelagert, und auch dies nur, um im Bild zu bleiben. Inzwischen war es geradezu unwirklich kalt geworden. Zu meinen Füssen tat sich eine Grube auf, ungastlich wie der Abstand zwischen den Flammen der bengalischen Hölzchen, die ich mit klammen Fingern hochhielt, um mir etwas Raum zu verschaffen, da, wo ich mein Revier ausgemacht hatte. Ich sah keine Notwendigkeit, Oberflächen als organische Formen in Betracht zu ziehen. Offenbar hatte ich meine Gewohnheit, alles mit allem zu vergleichen, an einen universellen Rest abgetreten, um nicht Überrest zu sagen, anständigerweise. Es war Mittwoch, und wie fast jedermann war ich von der Sorge erfüllt, mit den Lottozahlen schon wieder falsch zu liegen. Wie erschlagen vom Fehlen jedes sich daraus ergebenden echten Problems, hielt ich mich an die Tatsachen. Ich richtete den Blick auf eine im Gras kauernde Ente. Ich faltete die Ente auf das ihr gemässe Format, ich brannte darauf, sie weiter und weiter zu falten und mir irgendwann, wenn es keiner sah, einen ihrer Flügel in den Mund zu schieben. Es war allein mein Widerstand gegen jede Art von Appetit, der mich davon abhielt, den Staub vom anderen Flügel zu wischen und zuzubeissen. Den damit verbundenen Terrainverlust nahm ich in Kauf.

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