Bruno Steiger: Letzte Notizen 94 (Das Element des Aufbruchs VIII)

Vollmond, ein Samstag im März. Ich drehte das Radio lauter, trat zum Fenster vor. Sechs Stunden später erblickte ich das schwarze Rohr von Bollingen. Schwer erhob es sich über dem Horizont, eingetaucht ins Licht des Suchscheinwerfers eines Hubschraubers der amerikanischen Botschaft. Ich konnte mir das Phänomen nur mit der (zu geringen) Grösse des Rohrdurchmessers erklären. Im Wald am Abhang, Mitternacht war lang schon vorbei, wurde ich in ein Gespräch verwickelt. Ich kam nicht umhin, in aller Deutlichkeit meine Abneigung gegen Mundartrock jeder Art und Provenienz kundzutun. „Sina ausgenommen“, sagte ich. Ich wusste sogleich, jetzt bist du zu weit gegangen. Ich schloss das Fenster, begab mich in den Keller. Eingehüllt in eine wattige Finsternis tastete ich nach dem Liftknopf. Es war Zeit, zur zweiten Etage des Hauses, in dem ich damals lebte, hochzufahren. Ich hatte genug gesehen. Bedrückt knipste ich das Leselämpchen aus. Brandenburg, dachte ich. Oder Ibiza. Notiz für Louis H.

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