A Poem A Day – Gildemann

STIMME 1 –
gemäßigt rebellisch, aber doch mit lange / zu lange angestauter wut

bedrucke deine seiten, faz, / mit peinigender tradition! / und richte, dem bluthund gleich / der dichter frißt / auf borchardt dich und / hofmannsthal. / mußt unsere knappschaft / doch lassen stahn. / und unser langgedicht, /
das du nicht steigst / und unsere ganze /lyrische glut, / die du uns neidest.

unter den medien nichts ärgeres / kennen wir als dich: süddeutsche! /
herrenreiterfeuilleton / nähret von kleinanzeig / und partezetteln / die eigne exzellenz. /ihr stürbet ab, wärn / nicht von euch geschmähte / „friedenswinsler“ abonniert.

da wir aber gildemänner sind, / hundlinge mit checkung, / kehrt unser waches aug / zur sonne sich, als wenn darüber / wär ein brueterich, zu weitern das system. / ein herz nämlich wie unseres / hat platz für manche wohnung.

wer schützte uns / vorm tagesspiegel? / wer rettete vor mopo uns, / vor taz und welt? /hast dus nicht alles selbst getan, / heftigst schreibende hand?

wir die bundesdeutsche presse ehren? wofür? / hat sie je schmerzen gelindert / dem knappen, der knäppin? / die zähren weggeküßt / dem gildemann, der gildefrau? / hat nicht uns, was folgt, zum / dichter geschmiedet: / oulipo / wiener gruppe / bielefelder colloquium?

dachtet ihr etwa, / wir würden lyrisch versanden, / richtung wedding wandern, / weil nicht alle gildemänner- / innungsträume früchte trugen?

im jonas sitzen wir, drechseln gedichte / nach knappschaftsart, / eine dichtung, die uns enthält, / die uns ausmacht, / die eins wird mit unserem leben / – und eurer bestenfalls höhnt: / medien der reaktion!

Quelle: Gildemann

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Ein Kommentar zu „A Poem A Day – Gildemann

  1. aber ist nicht das bielefelder kolloquium genau
    so vermodert wie die darmstädter akademie? oder
    wächst es aus sich und über sich selbst und sieht
    sich selber nicht mehr im staub erinnernder größe.
    warum dichter sag mir sschnappt ein kolloquium ein
    haben wir die akademien nicht verlassen
    mit gutem grund und haben uns angesiedelt am rande
    bürgerlicher nabelschau und übereinkunft gefunden
    mit uns. und wissen von markt mehr als er

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