Störrische Zweige – Besprechung von Elke Erb, Meins, roughbook 006

ncb., Neue Zürcher Zeitung, 26. Oktober 2010

Störrische Zweige

Manchmal liegen die Gedanken der Schreibenden wie Reisig zu Füssen. Dann kann es ihr passieren, dass sie sich «sperrig, widrig» fühlt und die Reflexion die «eigenen, störrischen Zweige» neu entzünden muss. Elke Erbs Gedichte sind Erkenntniswerkzeuge. Das Ich ist hier eine Art Medium, um die Welt und die Sprache abzutasten. Vorsichtig, in Fragen, Schleifen und kleinen Bildern, schlängeln sich die Verse voran, nehmen Beziehungen zwischen Menschen genauso in ihre Denkbewegung hinein wie die Erscheinungen der Natur. Selbst der Blick in ein Wörterbuch kann zu einem Nachdenken über das Begreifen führen, an dessen Ende keine Pointe steht, sondern «die verschüttete, verbaute, sich mühsam hinwindende, / darbende, entstellte, die sich selbst unkenntliche …, / <unsere> / kreative Natur!». Es sind Texte, die den Leser mit jedem Wort in ihren Rhythmus ziehen und ihn zu höchster Aufmerksamkeit führen. Dabei kann er beobachten, wie Tagebuchskizzen unvermittelt in Gedichte übergehen, wie das Denken seine Bilder findet und scheinbar vertraute Kategorien aushebelt. Jeder Vers lässt die Welt neu sehen, gibt dem «Hirn diesen kleinen Schwung, Schwapp» mit auf den Weg.

zu: Elke Erb, Meins

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