Jan Wagner nach Anja Utler

moorochsen

die dommel sah ich nie, versteckt
im schilf, wie sich das schilf in ihr versteckte,
nie eines ihrer kunstsinnigen nester,
genäht aus licht und schatten, dachte statt dessen

erneut an wriggers’ herde,
die eines abends durch ihr gatter
gebrochen war und sich im moor verirrte,
das brüllen, das erst stunden später matter

und mutlos wurde, sich am ende legte,
dachte an all die körper, die versunken
unter dem trügerischen boden schwebten
wie zeppeline, groß und stumm, noch als die jungen

die nester längst verlassen haben mußten,
so daß ich, wenn wir uns am tor versammel-
ten, fröstelnd in das dunkel lauschten, wußte
oder nicht wußte: da, das war sie, die dommel.

 

Dieses Gedicht gehört zur Deutsch-Deutschen Übersetzungswerkstatt, die bald als roughbook 007 veröffentlicht wird.

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