A Poem A Day – Hans Schiebelhuth

Zwiegespräch mit mir (1920)

Die Glockentürme schnalzen zum meckernden Mond.
Die Landschaft harft sich hügelhin. Gewitter wiehern.
Ich schlafe, wo die Schreibmaschinen Sammt sind.
Traum leimte mir die Nase des Mefisto an den großen Zeh.

O bück dich nicht zu breit. Der Seidenhase hebt die güldne Pranke.
Ein Erbfluch geht von David bis Forseti.
Kein Mensch weiß, ob der Rhein ein Fluß ist, ob er fließt.
Erfinde die Phosphorgans, freundlicher Hofrat. Wecke den Weck.

Nachen aus Lapislazuli, den ein Walfisch verschlang.
O, ihr papiernen Rosen, entblättert euch nicht im porphyrnen Herbst.
Der Tod hat sich als Geldbriefträger maskiert. Banken krachen.
Und der Mann, der das Meer befuhr, weint mit der käsigen Wirtin gern.

Aus: Hakenkreuzzug, Neodadaistische Ungedichte, In: Hans Schiebelhuth, Gedichte 1916-1936, Bd. I,  S.223

Advertisements

Ein Kommentar zu „A Poem A Day – Hans Schiebelhuth

  1. …dieser zauberhafte Ringelnatz:

    Abendgebet einer erkälteten Negerin

    Ich suche Sternengefunkel.
    Sonne brennt mich dunkel.
    Sonne drohet mit Stich.
    Warum brennt mich die Sonne im Zorn?
    Warum brennt sie gerade mich?
    Warum nicht Korn?

    Ich folge weißen Mannes Spur.
    Der Mann war weiß und roch so gut.
    Mir ist in meiner Muschelschnur
    So négligé zu Mut.

    Kam in mein Wigwam
    Weit über das Meer,
    Seit er zurückschwamm,
    Das Wigwam
    Blieb leer.

    Drüben am Walde
    Kängt ein Guruh – –
    Warte nur balde
    Kängurst auch du.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s