A Poem A Day – Pier Paolo Pasolini (2)

Arbeit gesucht

Dichtung im Auftrag, ein Bombenbausatz.
Leicht fällt die Produktion dem Bombenbauer
(und sei‘s nur, um mit Handarbeit sich in den Schlaf zu wiegen).
Das Thema klingt an manchem Tag ironisch:
doch so geht das immer mit dem Bombenbausatz.
Die Zeiten sind vorbei, da ich, verfressner Ökonom,
alles verprasste, meine ganze Gage (und die war üppig,
denn sie war mein Samen: und ich mit Dauer-Erektion)
in den Kauf von Billigländern steckte,
die erst in zwei, dreihundert Jahren steigen würden im Wert.
Ich war Ptolemäer (also Jüngling)
und zählte Ewigkeit, wie sonst, in Säkulen.
Das Land, das schien mir Mittelpunkt der Welt;
die Dichtung aber Mittelpunkt des Landes.
Das alles war so schön, und logisch auch.
Wie hätte ich denn da bitte nicht annehmen sollen,
alle Menschen seien mir gleich?
Da aber stellte sich heraus: die waren ja alle viel besser;
ich selber eher Exemplar einer sehr niederen Rasse.
Ich wies die Wertschätzung zurück
und entsagte Gedichten fortan. Jetzt aber,
jetzt, da die Berufung selbst vakant ist
– doch nicht das Leben, nicht das Leben –
jetzt, da nicht länger Eingebung auf Besuch die Verse produziert –
da sollt Ihr bitte alle, alle wissen, ich stehe hier bereit,
Gedichte nach Auftrag zu liefern: Bombenbausätze.*

*Auch explosive.

Ausgewählt und zustimmend angeeignet von Christian Filips

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2 Kommentare zu „A Poem A Day – Pier Paolo Pasolini (2)

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