roughbooks im Oktober/November

In dieser Woche sind zwei neue roughbooks erschienen:

Deutsch-Deutsche Übersetzungswerkstatt mit Urs Allemann und Sabina Naef, Christoph W. Bauer und Christian Uetz, Oswald Egger und Barbara Hundegger, Elke Erb und Raphael Urweider, Ulf Stolterfoht und Peter Waterhouse, Anja Utler und Jan Wagner, roughbook 007.
Exemplarische Gedichte und ihre Übertragung sind zu finden unter http://bit.ly/b4SO4a

Werner Hamacher, 95 Thesen zur Philologie, roughbook 008.
Bis Montag sind diese Thesen (bis zu Nr. 74) zu lesen unter https://roughbooks.wordpress.com/category/95-thesen-zur-philologie-werner-hamacher/, danach nur noch in diesem Buch.

Bereits erschienen sind:

Elke Erb, Meins, roughbook 006.
„Es sind Texte, die den Leser mit jedem Wort in ihren Rhythmus ziehen und ihn zu höchster Aufmerksamkeit führen. Dabei kann er beobachten, wie Tagebuchskizzen unvermittelt in Gedichte übergehen, wie das Denken seine Bilder findet und scheinbar vertraute Kategorien aushebelt. Jeder Vers lässt die Welt neu sehen, gibt dem «Hirn diesen kleinen Schwung, Schwapp» mit auf den Weg.“ (NZZ vom 26.10.2010)

Christian Filips, Heiße Fusionen, roughbook 005.
„was viele kleine Blumen, Tricks, Bitten, Rufe, Schmoll-Enjambements – ein Vogelgesang von phatisch virtuosem Spielen mit Rede und Kommunikation. (…) So haben wir gelernt, Gedichte zu schreiben: die Komplexität zu feiern, das Widersprüchliche zu verteidigen. Im Leben ratlos. Schönheit erzeugen.“ (Ann Cotten, August 2010)

In Vorbereitung sind:

Stephan Broser, Flugsand um die Sphinx, roughbook 009.

Ulf Stolterfoht, Ammengespräche, roughbook 010.

Diese Bücher gibt es nur direkt bei mir und in einigen ausgewählten Buchhandlungen. Am einfachsten bestellen Sie, indem Sie direkt auf diese E-Mail antworten. Und am nachhaltigsten überraschen Sie sich, wenn sie die roughbooks in Fortsetzung bestellen: schnell, praktisch, billig, intelligent und schön.

Mit herzlichem Gruß
Urs Engeler

urs@engeler.de

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Dorfweg 9b, CH-4718 Holderbank SO
Telefon 0(041)62 390 02 83
Skype oursengeler

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Raphael Urweider nach Elke Erb

Raphael Urweider: Winter, Winken, Wimpern

Na, sollen die Kurzwellensender
sirren, Stromgehäuse, Animiertes,
von oben her die Strasse ein Eisband, kehrt sich
gleichgültig in ihr Gegenteil, du: Ertrag diese Landschaft, Gemüt,
es ist Winter.

das ging dir ja nie rein,
der Satz „Es ist Winter“

war: dir
fällt gleich das Gerüst um, und
als ein Fallendes steht es freilich,
bestehend, beständig, schaut euch
nicht um.

Weiher, ach, Weiher, ach Kreis, Ried
-winken, -wimpern: Wer er ein Auge ist,
er fasst es.

 

Quelle: Dt.-Dt.-Übersetzungswerkstatt – soeben erschienen.

A Poem A Day – Elke Erb

Elke Erb: Winter, Winken, Wimpern

Oja, mögen die Telegrafenmasten
zwitschern, Elektrokapseln, Beflügeltes,
und unten erfriert der Weg, kontrahiert sich
in seine Indifferenz, du: Schlucke den Acker, Gemüt,
es ist Winter,

du kamst da ja nie zurecht,
der Satz: „Es ist Winter“

war: dir
stürze der Türbalken ein, und
als ein einstürzender errichtet freilich,
geschlichtet, verpflichtet, dreht euch
nicht um.

Tümpel, ach, Tümpel, ach Rand, Schilf
-wimpel, -wimpern: Der, wie er blickt,
er verstehts.

Quelle: Elke Erb, Sonanz, S. 212, 23.11.04, auch in: Dt.-Dt.-Übersetzungswerkstatt

Störrische Zweige – Besprechung von Elke Erb, Meins, roughbook 006

ncb., Neue Zürcher Zeitung, 26. Oktober 2010

Störrische Zweige

Manchmal liegen die Gedanken der Schreibenden wie Reisig zu Füssen. Dann kann es ihr passieren, dass sie sich «sperrig, widrig» fühlt und die Reflexion die «eigenen, störrischen Zweige» neu entzünden muss. Elke Erbs Gedichte sind Erkenntniswerkzeuge. Das Ich ist hier eine Art Medium, um die Welt und die Sprache abzutasten. Vorsichtig, in Fragen, Schleifen und kleinen Bildern, schlängeln sich die Verse voran, nehmen Beziehungen zwischen Menschen genauso in ihre Denkbewegung hinein wie die Erscheinungen der Natur. Selbst der Blick in ein Wörterbuch kann zu einem Nachdenken über das Begreifen führen, an dessen Ende keine Pointe steht, sondern «die verschüttete, verbaute, sich mühsam hinwindende, / darbende, entstellte, die sich selbst unkenntliche …, / <unsere> / kreative Natur!». Es sind Texte, die den Leser mit jedem Wort in ihren Rhythmus ziehen und ihn zu höchster Aufmerksamkeit führen. Dabei kann er beobachten, wie Tagebuchskizzen unvermittelt in Gedichte übergehen, wie das Denken seine Bilder findet und scheinbar vertraute Kategorien aushebelt. Jeder Vers lässt die Welt neu sehen, gibt dem «Hirn diesen kleinen Schwung, Schwapp» mit auf den Weg.

zu: Elke Erb, Meins

Jan Wagner nach Anja Utler

moorochsen

die dommel sah ich nie, versteckt
im schilf, wie sich das schilf in ihr versteckte,
nie eines ihrer kunstsinnigen nester,
genäht aus licht und schatten, dachte statt dessen

erneut an wriggers’ herde,
die eines abends durch ihr gatter
gebrochen war und sich im moor verirrte,
das brüllen, das erst stunden später matter

und mutlos wurde, sich am ende legte,
dachte an all die körper, die versunken
unter dem trügerischen boden schwebten
wie zeppeline, groß und stumm, noch als die jungen

die nester längst verlassen haben mußten,
so daß ich, wenn wir uns am tor versammel-
ten, fröstelnd in das dunkel lauschten, wußte
oder nicht wußte: da, das war sie, die dommel.

 

Dieses Gedicht gehört zur Deutsch-Deutschen Übersetzungswerkstatt, die bald als roughbook 007 veröffentlicht wird.

A Poem A Day – Anja Utler

IX

Aufschrecken, schließlich, und finde:
den kehlkopf entkernt ist
gehölt ihn: betasten die hände,
sie: nesteln, gefiedert, vom
brustkorb ab flechten sich
tiefer ins: schilf schlucken: licht,
gurgeln, dunkel ja, dämmrig
sie: stricken kielwärts ja kehlwärts
sich: hohlräume, mulden aus
halmen aus fingern aus (..)
gleichsam: den dommeln zu – nistplatz,
im singenden rohr heißt es – will wie
verfangen sein – treibgut – vernäht
werden bis in die: stimmritze raschle
fast zittre ich höre dich wieder: sagst
lied sagst du lied – was ist: lied

Quelle: Anja Utler, münden – entzüngeln, Edition Korrespondenzen