A Poem A Day – Anna Louisa Karsch

An Quitungsstatt geschrieben
Im Jänner 1783
 
Seine Majestät befahlen,
Mir, anstatt ein Haus zu baun,
Doch drei Thaler auszuzahlen –
Der Monarchbefehl ward traun
Prompt und freundlich ausgerichtet,
Und zum Dank bin ich verpflichtet.
Aber für drei Thaler kann
Zu Berlin kein Hobelmann
Mir mein letztes Haus erbauen,
Sonst bestellt‘ ich ohne Grauen
Heute mir ein solches Haus,
Wo einst Würmer Tafel halten
Und sich ärgern übern Schmauß
Bei des abgegrämten, alten,
Magern Weibes Überrest,
Die der König darben läßt.

*



Die Naturdichterin Karsch, welche im Januar 1761 aus der Neumark nach Berlin kam, und sich durch ihre Heldenlieder auf Friedrich im siebenjährigen Kriege Ruf erworben hatte, fühlte sich durch eine Unterredung mit dem Könige in Sans=Souci entzückt; er versprach für sie zu sorgen und ihr ein Haus zu bauen; – wurde aber gegen sie eingenommen. Sie bekam 50 Thlr. zum Geschenke, und, als sie wieder bat, so schickte der König ihr mit der Post 2 Thlr., welches Madame Karsch mit folgendem Impromtu erwiderte:
Drum schick ich sie zurück.“

„Zwei Thaler sind zu wenig
Für einen großen König!
Zwei Thaler sind für mich kein Glück,
Drum geb ich sie zurück.

Der Einfall wurde königlich belächelt – eine neue Bitte beschenkte der König mit 3 Thlr., worauf folgende Verse entstanden…

Quelle: Anna Louisa Karschin, Gedichte, Berlin 1792, S.324-25

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s