Letzte Notizen 47

Die einzige Lösung wäre, sein Schauen für immer an jene Erste Verszeile zu verschenken, die alles, mit dem man bis dahin gerechnet hatte, annulliert.

Dass man an Lösungen nicht interessiert ist, macht die Sache nicht einfacher, aber schöner.

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Letzte Notizen 46

Sie möchten danken. „Ganz einfach danken“. Dir, mir, dem Schicksal, und manchmal sogar „allen, die mich kennen“.
Ihr Dank kennt keine Gnade.
Es muss sich um eine Spezies handeln, die das Gegenteil von Torheit inkarniert.
(Zum Unterschied von Horch- und Hörerwünschen)

A Poem A Day – Dieter Roth

über Hochfelden möchte ich wandern,
über Hochfelden möchte ich wandern,
über Hochfelden möchte ich wandern,
über Hochfelden möchte ich wandern.

Bei Glattfelden möchte ich rasten,
Bei Glattfelden möchte ich rasten,
Bei Glattfelden möchte ich rasten,
Bei Glattfelden möchte ich rasten.

Nach Rheinfelden möchte ich ziehen,
Nach Rheinfelden möchte ich ziehen,
Nach Rheinfelden möchte ich ziehen,
Nach Rheinfelden möchte ich ziehen.

Auf Regensberg möchte ich übernachten,
Auf Regensberg möchte ich übernachten,
Auf Regensberg möchte ich übernachten,
Auf Regensberg möchte ich übernachten.

Auf der Regensburg möchte ich überwintern,
Auf der Regensburg möchte ich überwintern,
Auf der Regensburg möchte ich überwintern,
Auf der Regensburg möchte ich überwintern.

Über die Bogenbrücke möchte ich schreiten,
über die Bogenbrücke möchte ich schreiten,
über die Bogenbrücke möchte ich schreiten,
über die Bogenbrücke möchte ich schreiten.

Die Rundschilde möchte ich betrachten,
Die Rundschilde möchte ich betrachten,
Die Rundschilde möchte ich betrachten,
Die Rundschilde möchte ich betrachten.

Den Freienstein möchte ich schauen,
Den Freienstein möchte ich schauen,
Den Freienstein möchte ich schauen,
Den Freienstein möchte ich schauen.

In Nürendorf möchte ich weilen,
In Nürendorf möchte ich weilen,
In Nürendorf möchte ich weilen,
In Nürendorf möchte ich weilen.

Unter dem Baume vor dem golden Kreuz sitzen,
Unter dem Baume vor dem golden Kreuz sitzen,
Unter dem Baume vor dem golden Kreuz sitzen,
Unter dem Baume vor dem golden Kreuz sitzen.

Die Lägern möchte ich durchstreifen,
Die Lägern möchte ich durchstreifen,
Die Lägern möchte ich durchstreifen,
Die Lägern möchte ich durchstreifen.

In Bülach möchte ich ein Weilchen bleiben,
In Bülach möchte ich ein Weilchen bleiben,
In Bülach möchte ich ein Weilchen bleiben,
In Bülach möchte ich ein Weilchen bleiben.

Dort möchte ich das Rathaus besichtigen,
Dort möchte ich das Rathaus besichtigen,
Dort möchte ich das Rathaus besichtigen,
Dort möchte ich das Rathaus besichtigen.

Auf der Habsburg möchte ich mein Zuhause haben,
Auf der Habsburg möchte ich mein Zuhause haben,
Auf der Habsburg möchte ich mein Zuhause haben,
Auf der Habsburg möchte ich mein Zuhause haben.

In Olten möchte ich zuhause sein,
In Olten möchte ich zuhause sein,
In Olten möchte ich zuhause sein,
In Olten möchte ich zuhause sein.

In der Krone zu Solothurn möchte ich wohnen,
In der Krone zu Solothurn möchte ich wohnen,
In der Krone zu Solothurn möchte ich wohnen,
In der Krone zu Solothurn möchte ich wohnen.

Auf dem Weißenstein möchte ich Weißwein trinken (Fendant),
Auf dem Weißenstein möchte ich Weißwein trinken (Fendant),
Auf dem Weißenstein möchte ich Weißwein trinken (Fendant),
Auf dem Weißenstein möchte ich Weißwein trinken (Fendant).

Wo die Emme in die Aare fließt möchte ich sitzen,
Wo die Emme in die Aare fließt möchte ich sitzen,
Wo die Emme in die Aare fließt möchte ich sitzen,
Wo die Emme in die Aare fließt möchte ich sitzen.

A Poem A Day – Anna Louisa Karsch

An Quitungsstatt geschrieben
Im Jänner 1783
 
Seine Majestät befahlen,
Mir, anstatt ein Haus zu baun,
Doch drei Thaler auszuzahlen –
Der Monarchbefehl ward traun
Prompt und freundlich ausgerichtet,
Und zum Dank bin ich verpflichtet.
Aber für drei Thaler kann
Zu Berlin kein Hobelmann
Mir mein letztes Haus erbauen,
Sonst bestellt‘ ich ohne Grauen
Heute mir ein solches Haus,
Wo einst Würmer Tafel halten
Und sich ärgern übern Schmauß
Bei des abgegrämten, alten,
Magern Weibes Überrest,
Die der König darben läßt.

*



Die Naturdichterin Karsch, welche im Januar 1761 aus der Neumark nach Berlin kam, und sich durch ihre Heldenlieder auf Friedrich im siebenjährigen Kriege Ruf erworben hatte, fühlte sich durch eine Unterredung mit dem Könige in Sans=Souci entzückt; er versprach für sie zu sorgen und ihr ein Haus zu bauen; – wurde aber gegen sie eingenommen. Sie bekam 50 Thlr. zum Geschenke, und, als sie wieder bat, so schickte der König ihr mit der Post 2 Thlr., welches Madame Karsch mit folgendem Impromtu erwiderte:
Drum schick ich sie zurück.“

„Zwei Thaler sind zu wenig
Für einen großen König!
Zwei Thaler sind für mich kein Glück,
Drum geb ich sie zurück.

Der Einfall wurde königlich belächelt – eine neue Bitte beschenkte der König mit 3 Thlr., worauf folgende Verse entstanden…

Quelle: Anna Louisa Karschin, Gedichte, Berlin 1792, S.324-25

Letzte Notizen 44

Unter dem Gedudel einer berittenen Dreimann-Combo die Flucht der Zahntechniker. Alte Ohren. Mit der Fussspitze schubsen wir sie über den Bootsrand.

In den Erdbeerfeldern des Schlusskapitels ab und an ein menschliches Gesicht, unausgeschlafen und konsterniert zugleich.

Deutlich sichtbar dann das Blinken der Taschenlampe der einzigen Witwe im Pulk der Verfolger. Es muss als Andeutung eines Signals begriffen werden.

Aus derlei Umständen einen Ausweg gefunden zu haben, grenzt an ein Wunder.

Mit Selbstüberwindung hat es nichts zu tun.