Elke Erbs Bemerkungen zu Urs Engelers Edition roughbook

Diese mir neue Editionsform begegnete mir mit meinem eigenen Text
zuerst als Mail-Sendung einer provisorischen Darstellung der Seiten
und in der für alle books gleichen Schrift.
Zur Ansicht und zur Text-Korrektur.

Obwohl ich die beiden fertigen books, die ich gesehen hatte
(das Cowboylyrikbuch, 003, und das von Christian Filips, 005)
als Erscheinung noch nicht verstand,

kam ich beim Korrekturlesen sofort zurecht.

Das erste Neue, was auf mich wirkte, war:
Diese Schrift auf den sehr weißen fast quadratischen Seiten
trägt die Stimme vor.

Zum Buch hin gedacht:
Die Buchseiten tragen also nicht die Stimme vor.
Sie nehmen den Text in sich auf.

Daß ich die Stimme hörte,
bewirkte außer der Schrift und dem Weiß
der geringe obere Rand und der zuweilen kleine Textrest
oben allein auf weißer Seite. Mit ihm wurde die Stimme fast ohrfüllend.

Indem er die Schrift die Hauptsache sein läßt,
favorisiert der Druck die Stimme. Sie führt.

Auch auf gewohnten Buchseiten liest man, wie beim Schreiben,
die Stimme mit, aber sie führt nicht.

Eine zweite Wirkung war, als erriete der Satz
eine Tendenz, die bei dem neuen Manuskript selbst neu war:
nämlich gegenwärtige Umstände eines Gedankens und Textes
als seine Eigenschaften mitzugeben.

(Das Startbeispiel für diese Tendenz war der Text „Reaktion“ gewesen).
Das roughbook setzte die Daten in gleichgroßer Schrift unter den Text.

Auch hatte ich Anmerkungen in einen Textablauf hineingenommen,
keß & streng in der bei Anmerkungen kleineren Schrift.
Urs setzte sie gleichgroß (s. „Studienblatt“).

So bekamen sie gleiche Geltung mit dem wortführenden Text.
Gleiche Geltung: dieser kleine Hokuspokus-Effekt, wo gleich gültig
das genaue, direkte, prompte Gegenteil von gleichgültig ist!

Da ja das roughbook von dem gewohnten Buch,
samt dessen gewohnter mannigfaltigen Art und Qualität,
sich durchaus abhebt und neu behauptet,

wird es möglich, die Gewohnheit selbst wahrzunehmen,
mit diesem Außenlicht.

Da blicke ich auf die drei Sternchen (statt eines Titels).
Mein Blick ist wegen ihrer Größe etwas irritiert.
Deswegen schaue ich länger hin,

und es begibt sich etwas Ungewöhnliches:
Ich spüre, daß ich mich gewöhnen werde,
spüre eine künftige Gewohnheit, aha?:
Gewohnheit als Zukunft!

„Du gewöhnst dich, nachher merkst dus nicht mehr.“
Ja, ohne das Außenlicht, das das roughbook ihm gibt,
könnte ich die Gewöhnung an die drei kleinen Sternchen
im gewohnten Buch nicht wahrnehmen,

und umgekehrt, ohne sie nähme ich die Gewöhnung
an die drei neuen nicht wahr!

Noch undeutlich fühle ich, daß das kleine weiße Ding
nicht provokant ist, sondern Kraft hat, diesen Unterschied.
Es ist, wie beim gewöhnlichen Buch, nicht meine Kraft,
sondern seine eigene.

Zuerst ist darin wohl Urs Engelers Kraft,
aber auch die Kraft der Rezipienten, denen das Buch gefällt,
und zwar jedesmal auf die ihnen eigene Weise, erstaunend!

Und ganz allgemein, neben der jeweils ideellen, die materielle,
jene die gesellschaftlichen Gegebenheiten seiner Produktion
schön und bescheiden würdigende Kraft.

***

Elke Erbs roughbook MEINS ist im Juli 2010 erschienen und lässt sich hier bestellen.

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