Letzte Notizen 18

Ein Museumsaufseher ist in gewisser Weise immer eine Art Badegast.

Letzte Notizen 17

«Wir hätten das nicht tun müssen, aber wir wollten es unbedingt. Und jetzt lass mich endlich los, du Grobian!»
So ging es weiter und weiter, bis keiner mehr wusste, worin man noch aktiv bleiben könnte in Richtung dessen, was gemeinhin als Abbruch der Übung bezeichnet wird.
Anderntags dann der Entschluss von Alphons A., sich baldmöglichst unter eine Strassenlampe zu stellen und im Gewand eines Gespensts so lange an sich herab zu blicken, bis der Boden unter seinen Füssen nicht mehr zu sehen wäre. So gedachte er, der rasenden Vermehrung der Spielregeln Paroli zu bieten, in einem Jenseits der gewohnten Zeitabläufe, in welchem sich das ewige Weitermachen in jeder denkbaren Hinsicht als überflüssigste – und erhebendste – all der Notwendigkeiten nachweisen lassen müsste, die einem nicht nur in solchen Situationen die schlechte Laune verderben.

Sätze zur Poetologie 5 (Elke Erb)

Eine andere für mich neue poetologische Erfahrung ist, wie die Poesie während des Schreibens entsteht. Als Resultat einer Wahrnehmung. Als eine wahrgenommene Wahrnehmung. Ich nehme an, daß die Wörter, wenn es so zugeht bei einem Text, zu ihrer freiesten Geltung kommen.

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Dies ist der Abschluß der „Sätze zur Poetologie“ von Elke Erb.
Neue Gedichte der Autorin finden sich in dem soeben erschienenen Band
Meins; roughbook 006

Letzte Notizen 16

Nicht jeder Kontrollblick auf das, was meine Vermutungen bestätigt, muss notwendigerweise in Umsortieren münden. Und wenn doch, kann das Resultat nur eine verschärfte Nachsicht sein. Darin wird Aufmerksamkeit gleichbedeutend mit dem Widerstand gegen jedwelche Prädikation.

Sätze zur Poetologie 4 (Elke Erb)

Das Gedicht ist alles, was es tut. (1)
Es ist, als Ganzes, als Komposition, mehr als das, was es tut. (2)
Es ist auch das, daß es etwas nicht tut. (3)

Satz (1) sieht einfach aus, ist aber nach aller Praxis für mich neue Erkenntnis.
Satz (2) ist einleuchtend auch ohne eine so lange Erfahrung.
Satz (3) folgert aus Satz (1), sein Geltungsbereich ist aber so unendlich, daß dieser Satz unmöglich vollkommen sein kann.

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Hier erscheinen in regelmäßiger Folge die „Sätze zur Poetologie“ von Elke Erb.
Neue Gedichte der Autorin finden sich in dem soeben erschienenen Band
Meins; roughbook 006

Letzte Notizen 14

Der Dichter als erster und letzter, als einzig verlässlicher Hoffnungsträger. Er weiss das, was jedermann weiss, nicht. In seiner ganzen, so grazil auf Grund gelaufenen Scheinheiligkeit ist er die Ahnungslosigkeit in Person. Eine Art Idealidiot, in die Spiegelungen eines blinden Staunens verbannt. Wer an seiner Stelle betet, ist in der Menschheit angekommen.