Herausgeber: Urs Engeler und Christian Filips
Die roughbooks und mit ihnen Urs Engeler sind umgezogen, die Post geht neu an:
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Ein Dorfplatz ist kein Parkplatz!


Dorfplatz und Parkplatz
Wichtig an einem Platz: Ein Platz ist größer als du. Du musst aber auch die Möglichkeit des Vergleichs haben. Ich stehe und vergleiche das Ausmaß des Platzes mit meinem Ausmaß. Ich stelle fest: Das Ausmaß des Platzes übersteigt das meinige. Also gibt es etwas, das größer ist als ich. Und ich befinde mich darauf oder darin.
Der Platz vermittelt mich im Raum, er vermittelt Nähe und Distanz in Bezug auf meine eigenen Ausdehnung und Position. Ein Platz gibt mir Aufschluss über Proportion und Perspektive. Wichtig ist die Sicht und wichtig ist das, was ich sehe. Ein Dorfplatz gibt mir Aufschluss über Proportion und Perspektive im Bezug auf die Personen, die den Platz ebenso aufsuchen und durchqueren, wie ich dies tue. Er gibt mir also Aufschluss über Proportion und Perspektive einer Gemeinschaft. In Bezug auf die Gemeinschaft und im Bezug auf ihren Standort und ihre Ausdehnung, ebenso wie über die Bewegung und Perspektive der Einzelnen. Ein Dorfplatz sollte nicht gefährlich sein. Auf einem Dorfplatz sollten der Rhythmus der Geschäfte, der aufschiebbaren und der nicht mehr aufschiebbaren Besorgungen, das Gespräch und die Gewohnheit – und nichts anderes – die Bewegungen der Gemeinschaft bestimmen. Das Stehenbleiben, das Sprechen und die Wiederaufnahme der Bewegung. Dies kann der Platz, weil er, ebenso wie die Gemeinschaft, größer ist als du.
Auch ein Auto ist größer als du. Dies ist notwendig so, denn ein Auto muss dein Ausmaß aufnehmen können. Ein Auto, das kleiner ist als du, ist nach wie vor ein Auto. Aber es kann dich nicht aufnehmen. Ein Platz, der so klein ist, dass ich nicht mehr auf ihm stehen kann, ist kein Platz.
Achtung: Ein bewegtes Auto ist viel größer als du. Noch ein einparkendes und ausparkendes Auto ist größer als du. Ein bewegtes Auto ist ein sehr großes Hindernis, ein Hindernis in Bewegung, aber nicht: Ein Hindernis in der Bewegung eines Gesprächs. Sondern ein großes Hindernis in einer sehr individuellen Bewegung, der ich wortlos ausweichen muss. Ein Platz hingegen ist groß genug, um Ausweichen zu ermöglichen, dies tut er allerdings unter Zutun der Möglichkeit, nicht auszuweichen. Einem Auto nicht auszuweichen, kann unter Umständen gefährlich sein. Einem Auto nicht auszuweichen, ist kein Gespräch, sondern womöglich ein Unfall. Ich umgehe das Auto, weil es sich bewegt. Ich muss aber auch das stationäre Auto umgehen. Ein Parkplatz ist ein Platz, den ich umgehen muss. Damit ist ein Parkplatz das Gegenteil eines Platzes, denn einen Platz will ich durchqueren. Es herrscht ein sehr großer Unterschied zwischen Durchqueren und Umgehen. Es handelt sich um den Unterschied zwischen Dorfplatz und Parkplatz.
Die deutsche Drogeriekette SEIFENPLATZ wurde bereits vor vielen Jahren unbenannt in IHR PLATZ.
Seither bin ich in diesem Szenario: DIE SEIFE. Siehe: Francis Ponge: ÜBER DIE SEIFE.
pflastar* 42, phlastar*, st. N. (a): Pflaster, Heilpflaster, Fußboden, Mörtel, Estrich
pflastarari* 1, phlastarari*, flastrari*, st. M. (ja): Pflasterer, Maurer
Im Althochdeutschen gehörten das Wundpflaster und der Mörtel (vermutlich in Analogie zu der zähflüssigen Wundsalbe) zusammen, hinzu kommt der freie unbebaute Platz, der sich von der Umgebung abhebt wie das Wundplaster vom Körper.
Pflaster und gepflasterter Boden.
Das Pflaster im Volksglauben: Im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens geht es (ohne Pflaster) von der Pflanze zur Pflaume, von der Venus geht es, unter Umgehung des Verbandes, direkt in die Verbannung.
Off topic:
Das Deutsche Literaturarchiv verfolgt mit Interesse ihr Weblog und würde gern mit Ihnen Kontakt aufnehmen. Über eine Rueckmeldung an Jochen.Walter@dla-marbach.de würden wir uns sehr freuen. Grüße aus Marbach, Jochen Walter